Gott bestimmt die Dauer des Lebens

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Comments: Dies ist eine alte westeuropäische Sage, die sich bei uns durch "Skolas maize" ("Brot der Schule", pädagogische Zeitschrift)verbreitet hat. Siehe Einleitung, S. 117, Bolte, Polīvka, Anmerkungen III. 290–293. P. Š.


Gott war dabei, die Lebensdauer der Tiere und der Menschen zu bestimmen. Als erster kam das Pferd vor Gott und Gott sprach zu ihm: "Du sollst dreißig Jahre alt werden!"

"Das ist zu viel," wandte das Pferd ein. "Ich muss so schwer arbeiten, zum Schluss werde ich nicht mehr meine Knochen schleppen können." Und das Pferd feilschte so lange, bis sie sich auf achtzehn Jahre einigten.

Als zweiter kam der Hund vor Gott, und Gott sagte wieder:

"Du sollst dreißig Jahre alt werden!"

"Das ist zu viel!" Klagte der Hund, "ich muss nachts draußen frieren, und tagsüber habe ich auch viel zu tun; ich werde mir zum Schluss nicht mehr mein Brot verdienen können." Und der Hund jammerte so lange, bis Gott ihm eine Lebensdauer von zwölf Jahren beschied.

Als dritter erschien der Affe, und Gott sagte wieder: "Du sollst dreißig Lebensjahre haben!"

"Das ist zu viel!" Entgegnete der Affe. "Ich muss mein Leben lang Possen reissen". Und der Affe feilschte so lange, bis Gott ihm eine Lebensdauer von zehn Jahren beschied.

Als vierter trat der Mensch vor Gott, und Gott sprach auch zu ihm:

"Du sollst dreißig Lebensjahre haben!"

"Das ist zu wenig!" Klagte der Mensch. "In dem Alter bin ich ja soeben zu Verstand gekommen, du musst noch zulegen!"

Da legte Gott noch die achtzehn Jahre des Pferdes hinzu, aber der Mensch feilschte weiter und sagte: "Das ist noch nicht genug, denn meine Kinder werden noch nicht erwachsen sein."

Nun legte Gott auch noch die zwölf Hundejahre dazu, aber der Mensch klagte noch immer und sagte, das sei noch zu wenig. Schließlich gab Gott dem Menschen auch noch die zehn Affenjahre dazu, und nun war der Mensch zufrieden. So ist es nun verblieben. Während seiner eigenen Jahre geht es dem Menschen gut, während der Pferdejahre muss er schwer arbeiten, in den Hundejahren hat er keine guten Zähne mehr und muss wie der Hund nagen, und in den Affenjahren, da bleiben ihm nur die Albernheiten übrig.

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