Arbeit, Vernunft und Hass

From Pasakas un teikas
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Comments: Diese Sage gehört der jüngeren Zeit an. P Š


In uralten Zeiten haben die Menschen nicht gearbeitet. Sie lungerten nur so ohne Arbeit herum. Tagelang saßen sie müßig herum und schauten zu, wie die Vögel sich abrackerten, wie die Tiere sich plagten und wie die Flüsse sich mit schnellem Strom bewegten. Aber einmal kam zu den Menschen ein junger Mann und sagte, sie sollten von den Vögeln und Tieren lernen und sich ebenfalls an die Arbeit begeben. Der junge Mann war die Arbeit. Die Arbeit lehrte die Menschen, das Land zu bebauen. Die Menschen gehorchten der Arbeit, begaben sich in ein Tal und begannen dort die Erde mit bloßen Händen aufzureißen und Getreide auszusäen. Sie versuchten so lange die Erde zu lockern, bis ihre Finger wund geworden waren. Da erhoben sich Fluten und ertränkten das Getreide.

Da schickte die Arbeit die Menschen in den Wald. Dort würden sie seinem (ihrem) Bruder, der Vernunft begegnen (Anm. der Übers.: Arbeit und Vernunft sind im Lettischen männlich), der sie belehren würde. Gut. Die Menschen begaben sich in den Wald, begegneten der Vernunft und die Vernunft belehrte sie, wie sie alles zu machen hätten. Das Getreide müssten sie an höher gelegenen Stellen aussäen, die tief liegenden Stellen sollten sie nicht besäen. Und die Vernunft empfahl den Menschen noch die Kuh, die ihnen süße Milch, das Schaf, das ihnen Wolle, aus der sie sich Kleider machen könnten, geben würden, und das Pferd, das ihnen bei der Arbeit helfen würde.

Jetzt machten die Menschen alles so, wie die Vernunft es ihnen geraten hatte. Sie säten Getreide aus und es geriet gut. Die Menschen mähten das Getreide und begannen zu überlegen, wie sie es unter sich verteilen sollten. Während sie aber noch überlegten, kam ein alter Mann herbei, der Hass, und versprach, das Getreide zu teilen. Der Hass teilte das Getreide in zwei Haufen, wobei er den kleineren Haufen den jungen Leuten, den größeren Haufen den alten Leuten gab. Damit waren die Jungen nicht einverstanden, denn sie hätten mehr gearbeitet als die Alten, die den größeren Haufen bekommen hatten. Die Menschen stritten so lange, bis sie sich zu schlagen begannen, und niemand konnte das Getreide so auf sie verteilen, dass alle zufrieden gewesen wären.

Der Hass war in die Mitte der Menschen gekommen, und von dem Tag an ist er bis heute unter ihnen geblieben.

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