Wie Stände und Berufe entstanden sind

From Pasakas un teikas
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Auf einem Gutshof mussten der Schneider und der Schmied an demselben Tisch essen. Aber der Schneider war ein feiner Jungherr, er fand es anstößig, dass der berußte Schmied sich an seinen Tisch setzte. Der Schmied versuchte sich im Guten zu rechtfertigen: "Ich kann mich ja nicht jedes Mal waschen. Es ist nun einmal so, meine Arbeit ist eine schwarze Arbeit, was ist da zu machen." Aber da begann der Schneider den Schmied auch noch zu verspotten: "Was hast du schon für eine Arbeit (für ein Handwerk!). In den Kohlen herumzuscharren — das kann ja jeder Schweinehirt auch." Glücklicherweise hatte der Herr, der sich im Nebenzimmer befand, das Gespräch belauscht. Was tat er? Er suchte alte Lumpen zusammen und ging damit zu dem Schneider: "Höre mal, du hast ein prächtiges Handwerk — du sollst mir aus diesen alten Lumpen eine vollkommen neue Weste schneidern!"

Der Schneider schneiderte und schneiderte, aber wie sollte er aus alten Lumpen etwas Neues machen können? Es kam nichts Gescheites dabei 'raus. Aber der Herr sagte: "Du hast es also nicht gekonnt? Gut. Und du, Schmied, schmiede mir aus diesen verrosteten Eisenstückchen ein neues Hufeisen!" Der Schmied nahm die rostigen Eisenstücke und — eins zwei — da war ein neues Hufeisen fertig! Nun sagte der Herr: "Du hast es also gekonnt? Gut. Dein Handwerk ist dem des Schneiders überlegen. Deshalb will ich gerecht entscheiden: Du, Schneider, musst dich vor jeder Mahlzeit waschen, ob es dir nun passt oder nicht, aber du, Schmied, darfst dich so an den Tisch setzen, wie du gerade von der Arbeit kommst."

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