Warum das Getreide so kurze Ähren hat

From Pasakas un teikas
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Früher brachten die Getreidefelder so reichen Ertrag, dass man gar nicht viel arbeiten und sich abmühen musste: Der ganze Getreidehalm war eine einzige Ähre — von einem Strohhalm war nichts zu sehen.

Menschen, die in einem solchen Wohlstand lebten, wurden schlecht, gottlos und lasterhaft. Da wurde Gott zornig und befahl den Getreidefeldern, keine Ähren mehr, sondern nur noch Halme zu tragen. Jetzt kamen böse Hungerzeiten; niemand hatte auch nur ein Krümchen Brot zu essen, alle waren dabei, Hungers zu sterben. Auch der Hund musste hungern. Aber der Hund heulte so kläglich und bat Gott um Hilfe, dass Gott sich seiner erbarmte und warf ihm einen Brotlaib hinunter. Der Brotlaib rollte eilig davon, der Hund aber verfolgte ihn so schnell er nur konnte: Denn bevor Gott ihm das Brot hinuntergeworfen hatte, hatte er gesagt, dass künftig niemand mehr sein Brot ohne Arbeit essen werde, und so musste auch der Hund sein Brot zuerst verdienen. Der Hund jagte dem Brotlaib so lange nach, bis er ihn einholte. Aber es dauerte nicht lange, da hatte er das Brot verzehrt und musste wieder hungern. Da begann er Gott anzuflehen: Gott möchte sich doch seiner Geschöpfe erbarmen und wieder Ähren — und wenn auch nur kurze — auf den Getreidefeldern wachsen lassen. Gott schenkte seinem Flehen jedoch kein Gehör, so sehr hatten die Menschen ihr verärgert. Doch der Hund gab nicht auf. Er heulte und jaulte noch kläglicher und bat Gott, wenigstens ganz kurze Ähren wachsen zu lassen. Doch Gott verschloss seine Ohren dem Klagen des Hundes, so sehr erzürnt war er. Als der Hund sah, dass er so zu keinem Erfolg kommen würde, begann er für sich allein zu flehen: Er habe doch keine Schuld daran, dass die Menschen Gott erzürnt hätten, warum solle er denn unschuldig mit den Schuldigen leiden? Gott möchte doch seinen Zorn vergessen und sein, des Hundes, Flehen erhören. Der Hund verstand es, so kläglich zu bitten, dass der Zorn Gottes sich langsam zu legen begann. Der Hund ließ nicht locker und bat: Wenn Gott schon nicht mehr geben wolle, so möchte er doch wenigstens so lange Ähren auf den Feldern wachsen lassen wie das Maul des Hundes. Da, erhörte Gott seine Bitte und ließ den Anteil des Hundes auf den Feldern wachsen: Ähren, die so lang waren wie das Maul des Hundes. Auch heute wächst auf den Feldern nicht mehr als der Anteil des Hundes, den er damals Gott abgerungen hatte. Aber der Hund überlasse das Wenige den Menschen und sei selbst mit Krümelchen zufrieden.

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