Gerichte

From Pasakas un teikas
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In alten Zeiten soll der Herrgott auf Erden gewandelt sein, wobei er bald die Gestalt eines Wanderers, bald die eines Bettlers angenommen habe. So soll er einmal in Bettlergestalt in ein Gesinde getreten sein, die Bewohner sehr freundlich gegrüßt und um Erlaubnis gebeten haben, sich irgendwo niedersetzen zu dürfen. Eine Frau hieß den Bettler sich an ihre Seite zu setzen und ließ sich, während sie ihr kleines Bübchen wartete, mit ihm in ein heiteres Gespräch ein. Ihre freundliche Art gefiel dem Bettler, deshalb sagte er beim Scheiden: "Jetzt muss ich gehen, aber für deine Freundlichkeit will ich dich von der schweren Wartung des Kindes befreien: Stell den Kleinen auf den Boden, er wird gehen."

Als die Frau das hörte, brach sie in ein helles Gelächter aus: "Nein, nein, Alter, du sprichst wie eine Mannsperson, die nichts von Kindern versteht. Ein so kleines Kind auf den Boden zu stellen, dass es fällt und sich beschädigt, dazu lasse ich mich nicht überreden." Der Bettler wiederholte dreimal seine Aufforderung, als ihm aber das Weib trotz alledem nicht Folge leistete, sagte er im Fortgehen: "Wenn du mich nicht hören willst, so wart meinethalben, bis das Kind in das Alter kommt, dass es von selbst geht." Daher soll es kommen, dass noch bis zum heutigen Tage die Kinder im ersten Jahre nicht gehen können.

Von diesem Gesinde wandte sich Gott zu einem andern und setzte sich dort am Herd nieder. Die Bäuerin hatte gerade einen Speisekessel aufs Feuer gesetzt und lief in die Vorratskammer nach der Zukost. Unterdessen füllte Gott den Kessel bis zum Rande mit den köstlichsten Speise. Die Bäuerin aber verstand nicht, was geschehen war und schalt: "Dass dich der Teufel! Den Kessel bis zum Rande voll gießen! Wo soll ich jetzt mit all der Grütze hin? Ei, der Taus, keinen Fuß darf man rühren, so ist schon alles verkehrt gemacht!" Als der Bettler das hörte, sagte er: "Ich war es, der den Kessel gefüllt hat; aber gefällt es dir nicht so mag soviel bleiben, wie es war." Sofort sank der Inhalt des Kessels auf die Hälfte zusammen. Daher läuft noch heute den Hausfrauen beim Kochen der Kessel über; wenn aber die Speise fertig ist, so ist er nur noch bis zur Hälfte gefüllt.

Danach ging der Bettler, d.h. der liebe Gott, in ein drittes Gesinde und sah ein Weib, das auf den Felde Ähren las. "Nun, guten Tag, liebe Frau, dir geht es, wie ich sehe, schwer genug." "Danke, danke, Alter, ja, es ist wohl gar zu mühsam, wenn man sein bisschen Korn mit den Fingern zusammenlesen muss." "Nun, hör zu!" Sagte Gott, "Geh heim, so wird der Kornkasten in deiner Vorratskammer gehäuft voll sein." "Schönen Dank, wird es vielleicht schon gemahlen sein?" Nörgelte die Alte. — "Wenn du mit dem Haufen noch nicht genug hast, so scharr nur immer weiter, den Unersättlichen gebe ich gar nichts." Erwiderte Gott und ging in das vierte Gesinde, sich ein Nachtlager zu erbitten, aber der Bauer verweigerte es ihm. Als der Bettler das hörte, rief er: "Ptrr!", und augenblicklich war der Bauer in ein Pferd verwandelt. Der Bettler schärfte dem Hausgesinde aufs strengste ein, dem Pferde nichts anderes zu essen zu geben als Stroh und dann ging er zu den Nachbarn, um dort zu nächtigen.

Am nächsten Tage ging der Bettler ins Gesinde zurück, verwandelte das Pferd wieder in einen Menschen und verschwand sodann. Da merkte der Bauer, dass der Bettler Gott gewesen war, und fortan jagte er keinen Bettler mehr aus dem Hause.

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