Die Tiere des Waldes

From Pasakas un teikas
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Comments: Eine ähnliche Erzählung vom Wolf befindet sich auch unter den Märchen. Vgl. Bd. 1 Nr. 84. P. Š.


Einmal lebte in einem großen Wald ein Wolf, der, wie alle anderen Wölfe, sehr gefräßig war. Einmal kletterte er zu Gott in den Himmel hinauf, um ihn zu fragen, was er fressen solle. Im Himmel angekommen, sprach er zu Gott: "Wenn du mich so geschaffen hast, wie ich bin, so sorge auch dafür, dass ich etwas zu fressen habe!" Gott überlegte eine Weile und sagte dann: "So friss die Stubben im Walde und alte Stricke, die du findest!" Der Wolf kehrte in den Wald zurück und begann die Stubben zu fressen, aber es war ein Tannenwald und die Stubben waren sehr harzig. Da versuchte der Wolf, sich von alten Stricken zu ernähren, aber da war nichts dran. Da kletterte er ein zweites Mal in den Himmel hinauf und klagte Gott, dass er von Stubben und alten Stricken nicht satt werden könne.

Gott überlegte und überlegte und kam zu keinem Entschluss, was er dem Wolf als Nahrung geben könnte. Da sagte der Wolf, dass ein Mann gerade dabei sei, am Waldrand Gras zu mähen. Gott möchte ihm doch erlauben, den Mann zu fressen. Gott dachte eine Weile nach und sagte dann, gut, er könne ihn fressen, wenn er es schaffe. Der Wolf eilte guter Dinge in den Wald zurück. Am anderen Morgen früh begab er sich zu der Wiese: Und wirklich — der Mann war bei der Heumahd. Der Wolf ging auf ihn zu und sagte: "Gott hat mir erlaubt, dich zu fressen, und jetzt werde ich es tun!"

Der Mäher sieht, dass nun nicht mehr zu scherzen ist, aber er hat gleich einen guten Einfall und sagt: "Was sollst du mich denn so schmutzig essen, wie ich jetzt bin? Erlaube mir, dass ich mich vorher noch wasche." Der Wolf war damit einverstanden. Am Flussufer schnitt sich der Mäher einen ordentlichen Stock ab, versteckte ihn unter seinen Rock und kehrte zu dem Wolf zurück. Er sagte dem Wolf, dass er sich nun wohl gewaschen habe, wisse aber nicht, womit er sich abtrocknen könnte. Schon wollte der Wolf ihn nass verschlingen, aber damit war der Mäher nicht einverstanden. Da sagte der Wolf, er könne sich mit seinem Schwanz abtrocknen. Schnell wickelt der Mäher sich den Schwanz des Wolfes um die linke Hand und begann ihn nun zu prügeln. Der Wolf, der Ärmste, stöhnte und jammerte, aber der Mäher prügelte nur weiter und ließ ihn nicht eher los, bis seine Flanken ganz kahl geworden waren. Nachdem er den Wolf losgelassen hatte, rief er ihm noch zu, er solle es nicht mehr wagen, ihm unter die Augen zu treten. Der Wolf lief in den Wald und erzählte den anderen Wölfen, wie der übermütige Mäher ihn bearbeitet hatte. Die Wölfe beschlossen, dass man es dem Mäher nicht durchgehen lassen konnte und begaben sich am nächsten Tag alle zusammen zu der Waldwiese. Als der Mäher ein großes Rudel Wölfe erblickte, erschrak er sehr, aber zum Glück stand in der Nähe eine hohe Tanne. Mit einem Satz war der Mäher an der Tanne und kletterte an den Zweigen bis zum Wipfel hinauf. Da wussten die Wölfe vor Wut nicht mehr, was sie machen sollten. Schließlich aber beschlossen sie, die Tanne abzunagen.

Sie nagen und nagen — aber es ist nichts zu machen, nur die Zahnlücken füllen sich mit Harz. Auf einmal schlägt der kahle Wolf vor: sie sollten einander auf den Rücken klettern, dann würde schon der Oberste an den Mäher gelangen. Der kahle Wolf stellte sich zuunterst hin, und die anderen kletterten auf seinen Rücken. Bald hätten sie den Mäher schon erreicht, aber da fiel ihm ein guter Rat ein: "Wer es abkriegt, der kriegt es ab, der Kahle wird's sowieso abkriegen," rief er.

Der kahle Wolf, der Ärmste, erschrak sehr und floh in den Wald, wobei die hohe Säule der Wölfe einstürzte. Mancher verstauchte sich beim Fallen den Fuß, mancher schlug sich die Nase blutig. Alle waren wütend auf den kahlen Wolf; sie jagten ihm in den Wald nach und verschlangen ihn, aber der Mäher lebt noch heute, wenn er inzwischen nicht gestorben ist.

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