Die Vögel

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search
Comments: Eine Sage, die wortwörtlich mit der Vorliegenden übereinstimmt, hat auch noch Alexander Villerts von J. Villerts in Kabile aufgeschrieben und mir zugesandt. Wer mag nun von wem abgeschrieben haben? P. Š.


Gott setzte sich auf einen Berg und befahl allen Tieren und Vögeln paarweise vorbeizugehen, denn er wollte ihnen Namen geben. Kam ein weiblicher Vogel an seiner Seite vorbei, so gab er dem Paar einen weiblichen Namen — so die Krähe; kam jedoch ein männlicher Vogel — bekam das Paar einen männlichen Namen. Die anderen Vögel konnten noch Weibchen von Männchen nicht unterscheiden, aber die Elster konnte es schon. Deshalb wurde sie ärgerlich, als Gott ihr und ihrem Manne den Namen Elster gab. "Elster! Elster!" Murrte sie und sagte zu ihrem Mann: "Bist du denn ein Weib, dass man dich Elster nennt?", "Sei nur still, Herzchen," antwortete der Mann, "wir sind ja beide eins."

Aber die Elster war damit nicht zufrieden. Wegen einer solchen Ungerechtigkeit wollte sie sich beim Kaiser selbst beklagen. Sie flog und flog — gegen Abend ließ sie sich auf einer Tanne nieder, um zu übernachten. Unter der Tanne hatten sich Nachthüter niedergelassen. Sie beschlossen, Mädchen zu besuchen, und kehrten erst gegen Morgen wieder zurück. Die Pferde mussten die ganze Nacht stehen, ohne grasen zu können. Das hat die Elster noch mehr verärgert und sie wollte sich auch darüber beim Kaiser beklagen. Am nächsten Tag flog sie weiter. Da erblickte sie ein Kreuz und wollte sich auf dem Kreuz erholen, denn sie glaubte, dass an einem heiligen Ort sie wohl niemand stören werde. Sie setzte sich auf das Kreuz, aber unglücklicherweise erwies es sich als der Flügel einer Windmühle.

Bald erhob sich der Wind und die Flügel begannen sich zu drehen. Die Elster musste wieder weiterfliegen. Auch darüber wollte sie sich beklagen.

Als sie weiterflog, erblickte sie einen Hirten, der einem Lämmchen das Sitzen beibringen wollte, indem er sagte: "Sitz, Dummerchen, sitz! Hol dich der Teufel, man kann dir das Sitzen nicht beibringen!" Die Elster dachte: "Das ist ja Tierquälerei: das Lämmchen ist klein, seine Keulen werden müde, es kann sich im Sitzen nicht halten. Darüber muss ich mich auch beklagen und sie flog weiter. Aber als sie zum Kaiser kam, konnte sie vor Aufregung nichts anderes mehr hervorbringen als "Tschrrr!"

Weder der Kaiser noch ein jemand anderer hat etwas verstanden.

Deshalb wird die Elster auch noch heute Elster genannt, deshalb besuchen die Burschen auch heute noch nachts die Mädchen und auch die Flügel der Windmühlen drehen sich noch immer.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox