Die Vögel

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search

Einmal war der kleine Jesus mit seiner Mutter, der Jungfrau Maria, ausgegangen, um Kräuter zu sammeln. Sie mussten einen schmalen Gebirgspfad entlanggehen. Auf der einen Seite (von dem Pfad) befand sich eine steile Felswand, auf der anderen Seite — wucherten dornige Wildrosen Sträucher. Ein Dorn stach in den Fuß des Kleinen, er konnte nun nicht mehr weiterlaufen.

Das Mütterchen setzte sich auf einen Stein hin und versuchte, den Dorn herauszuziehen, aber sie vermochte es nicht, und der Kleine weinte vor Schmerzen. Der Mutter tat ihr kleiner Sohn sehr leid, und große Tränen rollten über ihre Wangen. Das bemerkte ein Vögelchen, das auf einem Strauch von Ast zu Ästlein hüpfte. Es kam herbeigeflogen, schaute in die Augen der betrübten Mutter, beäugte ihr Söhnlein, zwitscherte freundlich und hüpfte näher heran. Der kleine Jesus erblickte das Vögelchen, begann zu lachen und sagte:

"Weine nicht mehr, Mütterchen, das Vögelchen wird uns helfen!"

Es war, als hätte das Vögelchen die Aufforderung des Kleinen verstanden: mutig flog es herbei und zog den scharfen Stachel heraus. Beim Herausziehen des Stachels aus dem Füßchen Jesu waren zwei Blutströpfchen herausgesprungen: das eine fiel auf den Kopf, das andere auf die Brust des Vögelchens. Dem kleinen Jesus gefiel das so geschmückte Vögelchen gut, und er rief aus:

"Liebes Vögelchen, zur Erinnerung daran, dass du mir geholfen hast, trage immer die roten Male — und auch deine Nachkommen sollen sie tragen!"

Seit der Zeit sind alle Rotkehlchen so geschmückt.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox