Gott erbarmt sich der Gehorsamen

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search

Es lebte einmal in einem abgelegenen Ort ein sehr alter Schuster. Sein Hüttchen befand sich am Rande eines großen Waldes. In einem strengen Winter wurde das Hüttchen des Schusters von so tiefen Schneewehen umgeben, dass es ihm bald

an Nahrung zu fehlen begann.

Obwohl er schon sehr alt und schwach war, machte er sich auf den Weg ins Dorf, um sich Nahrungsmittel zu besorgen. Das Laufen durch den tiefen Schnee machte den Alten sehr müde. Unterwegs begegnete er einem kleinen Mädchen, das ein Paar Stiefel trug. "Wohin trägst du denn die Stiefel, Töchterchen?", fragte er das Kind, indem er stehen blieb und sich auf seinen Stock stützte. "Ich will sie zum Schuster bringen," antwortete das Mädchen. "Dann gib sie nur her, ich selbst bin ja der Schuster," sagte der Alte und nahm ihr die Stiefel ab.

Das Mädchen war sehr froh darüber, denn es war ebenfalls sehr müde. Der Alte warf sich die Stiefel auf die Schulter, nahm das Kind an die Hand und setzte seinen Weg ins Dorf fort. Als sie im Dorf ankamen, waren beide sehr ermüdet, aber die Leute bewirteten sie und hießen sie, sich zu erholen. Als der Alte sich ein wenig erholt hatte, besorgte er die notwendigen Lebensmittel und machte sich auf den Heimweg. Die Dorfbewohner gaben ihm mehrere Paar Stiefel zum Flicken mit. Ein Paar Stiefel war sehr verschlissen, aber der Alte nahm sie dennoch mit und sagte: "Möchte Gott mir helfen, auch diese noch zu flicken." Er verabschiedete sich von den Dorfbewohnern und machte sich auf den Heimweg. Am späten Abend erreichte er seine Hütte. Obwohl er sehr müde war, machte er sich sogleich an die Arbeit und nahm sich zuerst die am schlimmsten zerrissenen Stiefel vor. Nachdem er das nötige Werkzeug herbeigeholt hatte, wollte er sich ans Fenster setzen, aber da bemerkte er das Unglück: er hatte kein Garn zu Hause. Da sah er, dass aus dem Flicken nichts werden konnte und schleuderte die alten Stiefel in die Ecke. Aber da rollte aus dem Winkel ein kleines Garnknäuel hervor, in dem eine Nadel steckte. Der Alte nahm das Garn, bereitete den Draht zum Nähen vor und machte sich ein zweites Mal an die Arbeit. Aber gleich nach dem ersten Stich glitt ihm die Nadel aus der Hand und begann von allein zu nähen. Der Alte musste nur neuen Draht einziehen (einfädeln) und den ersten Stich tun, dann arbeitete die Nadel allein. Der zum Nähen verwendete Draht begann schön zu glänzen. Bald waren alle Stiefel aufs beste geflickt.

Am nächsten Tag brachte der Schuster die geflickten Stiefel ins Dorf. Die Dorfleute wunderten sich sehr, dass er in so kurzer Zeit die Stiefel hatte flicken können, aber am

meisten freuten sie sich über das schöne Garn, mit dem die Stiefel geflickt worden waren.

Seit der Zeit fehlte es dem alten Schuster nie mehr an Arbeit und an Brot. Von dem Schuster erfuhren auch wohlhabende Leute, die seine Arbeit gut bezahlten. Nach einiger Zeit war der Sparstrumpf des alten Schusters voll, und er kaufte sich ein schönes Haus.

An einem späten Winterabend kehrte einmal bei dem Schuster ein sehr altes Männchen ein, das ihn ums Nachtlager bat. Der Schuster nahm ihn auf und bewirtete ihn gut. Nach dem Abend­essen sagte der Alte zu dem Schuster: "Ich bin gekommen, um mein Knäuelchen zu holen, aber da du ein gutes Herz hast, werde ich es dir belassen." Nach diesen Worten verschwand der Alte. Jetzt wurde der Schuster noch reicher, doch das einträgliche Schusterhandwerk hing er nicht an den Nagel.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox