Gott erbarmt sich der Gehorsamen

From Pasakas un teikas
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Comments: Eine ebensolche Sage hat der Volkskundlichen Sammelstelle auch noch A. Smagars, Gemeinde Reņģe, Kr. Jelgava, zugesandt. P. Š.


Einmal erzählten die Leute, dass am nächsten Sonntag Gott selbst in der Kirche anwesend sein werde. An jenem Sonntag begaben sich die Leute in Scharen zur Kirche. Ein alter Mann, der sehr fromm war, wollte an jenem Tag ebenfalls zurKirche gehen.

Es war ein sehr heißer Tag. Unterwegs begegnete er einem anderen Alten, der sehr langsam in dieselbe Richtung ging. Er begann ein Gespräch und fragte ihn, wohin er gehen wolle. Er wolle zur Kirche gehen. Da antwortete der Andere, dass er ebenfalls zur Kirche gehen wolle, wisse aber nicht, ob er hinkommen werde, da er ganz erschöpft sei. Ob er ihn nicht tragen könne?

Obwohl der Alte selbst sehr müde war, nahm er den anderen Alten auf den Rücken und trug ihn. Nicht weit von der Kirche entfernt, ließ er ihn auf die Erde, und der Alte, den er getragen hatte, sagte ihm: wenn er die Kirche betreten habe, so solle er geradeswegs zur Kanzel gehen und demjenigen, der in dem Augenblick auf der Kanzel sei, eine Ohrfeige geben und ihn fragen:

"Sage mir, wo ist Gott?" Er solle nur keine Angst haben, auch wenn man ihm drohen werde, ihn festzunehmen.

Der Alte bekam Mut, er war überzeugt, dass er das tun müsse. Als er die Kirche betrat, erblickte er auf der Kanzel einen schwarzen Herrn, der seine Arme ausbreitete und die Gemeinde segnete. Er handelte, wie der Alte es ihm aufgetragen hatte. Sobald er dem schwarzen Herrn die Ohrfeige verabreicht hatte, verschwand der, indem er noch ausrief: "Du hast ja selbst Gott getragen!"

Er blickte sich um und erblickte an der Kirchentür denselben Alten, den er getragen hatte. Er zeigte ihn auch den Anderen, aber kaum hatten sie ihn bemerkt, da war er auch schon verschwunden.

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