Gott Bestraft die Ungehorsamen

From Pasakas un teikas
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Comments: Diese Sage findet man auch unter den Märchen. Vgl.Nr. 37 Bd. IX. P. Š.


Auf einem Gut lebte ein ganz gottloser Gutsherr. Er ließ seine Fronarbeiter weder Tag noch Nacht zur Ruhe kommen. An einem Samstagabend entließ er seine Fronarbeiter nicht nach Hause, sondern befahl ihnen, noch am Sonntagmorgen zu dreschen, dann würden sie nach Hause gehen dürfen. Die Fronarbeiter waren sehr betrübt und verwünschten den ganzen Tag lang den gottlosen Herrn. Gegen Abend kam ein alter Mann in die Korndarre und bat, man möchte ihm erlauben, sich zu erwärmen. Der Alte setzte sich neben den Darrofen hin und die Fronarbeiter erzählten ihm, wie gottlos ihr Gutsherr sei. Der Alte hörte zu, sagte aber nichts darauf. Als die Fronarbeiter sich zur Ruhe begaben, legte auch er sich auf das Stroh schlafen.

Sobald die Fronarbeiter eingeschlafen waren, nahm der Alte ein Spanholz und begann damit im Getreide zu stochern, das auf den Darrbalken lag. Da kam das Getreide von allein in die Tenne und bildete eine ordentliche Lage. Als die

Korndarre leer geworden war, ging der Alte hinaus und begann das Getreide, das unter dem Vordach der Korndarre aufgestapelt war, mit dem Spanholz zu stochern. So füllte sich die Korndarre wieder bis zum letzten Darrbalken. Jetzt ging der Alte wieder in die Tenne und begann in der Getreidelage auf der Tenne zu stochern. Sobald er das Getreide berührte, erhoben sich blaue Flammen, die zu dreschen begannen. Der Alte ging nur um das ausgebreitete Getreide herum, stieß es mit dem Spanholz an und sprach: "Salaman! Salman!" Ehe man sich versah, war das Getreide gedroschen und das Korn von Spreu und Stroh säuberlich getrennt.

Als der Gutsvogt noch vor dem Hahnenschrei die Fronarbeiter wecken wollte, damit sie zu dreschen begännen, sah er, dass alles bereits gedroschen war und neues Getreide auf den Darrbalken lag. Die Fronarbeiter wunderten sich sehr, aber das alte Männchen war verschwunden. So konnten die Fronarbeiter noch vor dem Sonnenaufgang nach Hause gehen, denn an jenem Tag war nichts mehr zum Dreschen da.

Der Teufel hatte beobachtet, wie der Alte (es war Gott selbst gewesen) den Roggen gedroschen hatte, während die Fronarbeiter schliefen. Da lief er zu dem gottlosen Gutsherrn und versprach ihm, ganz allein alles Getreide zu dreschen, denn die Fronarbeiter des Gutsherrn seien gar zu faul und müssten eine gehörige Belehrung bekommen. Der Herr spie fast Feuer vor Wut, dass seine Fronarbeiter so faul sein sollten und nahm sich vor, sie ordentlich zu belehren. Dann eilten der Teufel und der Gutsherr zur Korndarre.

Der Teufel begann ganz allein den Roggen zu dreschen. Er betrat die Korndarre und begann in dem auf, den Darrbalken liegenden Getreide herum zu stochern, bis dieses von allein die Korndarre verließ und sich auf die Tenne legte. Da brachte der Teufel — ebenso wie Gott es getan hatte — neues Getreide in die Korndarre. Dann begann das auf der Tenne liegende Korn zu stochern, und sogleich stiegen rote Flammen auf. Der Teufel umschritt das ausgebreitete Getreide, stocherte es mit dem Stock und murmelte: "Trab, trab, trab!" Die Flammen schössen immer höher und breiteten sich über die ganze Tenne aus. Die Korndarre begann zu brennen, und der Teufel konnte nur mit großer Mühe entkommen. Aber der gottlose Großherr konnte sich nicht mehr retten und musste verbrennen.

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