Die Kühe des Teufels und die Kühe Gottes

From Pasakas un teikas
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In alten Zeiten lebten Gott und der Teufel als reiche Bauern auf dieser Welt. Aber — wie es ja auch noch heute zu sein pflegt — was der eine hatte, das fehlte dem anderen. So war es damals auch mit den beiden. Der Teufel besaß viele schwarze hornlose Kühe mit ungespaltenen Hufen. Gott besaß jedoch keine Kühe, obwohl er wieder an anderen Dingen mehr hatte als der Teufel. Als Gott sah, dass der Teufel mit seinen Kühen Glück hatte, wollte er sich ebenfalls welche anschaffen. Er wollte sie beim Teufel kaufen, aber der Teufel verkaufte sie um keinen Preis. Da beschloss Gott, sie mit List zu bekommen. Während er noch überlegte, wie er sein Ziel am besten erreichen konnte, hatte er bereits die besten Zimmerleute mit dem Bau von neun großen Ställen beauftragt, der Teufel besuchte ihn und erkundigte sich, wozu er solche Bauten errichten wolle. Gott antwortete: "Wenn ich Ställe habe, dann werde ich auch Vieh haben!"

Der Grünspecht war des Teufels Viehhüter. Er hütete die Rinder des Teufels auf einer großen Wiese am Rande des Waldes. Da die Kühe ruhig grasten, konnte der Grünspecht sorglos den ganzen Tag im Wipfel einer hohen Tanne schlafen.

Gott aber beschloss — um den Teufel zu ärgern, dem Grünspecht Kummer zu bereiten. Er beschaffte Mücken und Fliegen, die, die Kühe nicht ruhig grasen ließen. Anfangs setzten sie dem Grünspecht und den Kühen wahrhaftig arg zu. Weinend beklagte sich der Grünspecht beim Teufel über den schweren Dienst. Der Teufel fing sie alle ein, steckte sie in einen großen ledernen Sack und hing ihn am Flussufer an einen Espenbaum auf. Da hatte der Grünspecht wieder sein gutes Leben wie früher. Es war ein sehr heißer Sommertag. Die Kühe grasten ganz ruhig auf der Wiese, und der Hüter schlief auf seinem gewohnten Platz. Da kroch in der Nähe des Espenbaumes ein Krebs aus dem Wasser hervor. Als er niemand in der Nähe sah, kletterte er eiligst auf den Espenbaum und führte den Auftrag Gottes aus: Er schnitt ein Loch in den Sack. Die hungrigen Beflügelten kamen in großen Schwärmen aus dem Sack hervorgeflogen und begannen die Kühe fürchterlich zu plagen. Die Ärmsten wussten nicht mehr, wie sie sich retten sollten, und flohen in die Ställe Gottes. Gott hatte das schon vorausgesehen und hatte sowohl Zimmerleute als auch Anstreicher ans Tor gestellt: Die einen spalteten die Hufe der Kühe, die anderen strichen sie weiß, rot und bunt an.

Als der Teufel die herumfliegenden Mücken und Fliegen bemerkte, begriff er sogleich, dass das kein gutes Zeichen war, deshalb eilte er zum Fluss, um nach dem Sack zu sehen. Der Krebs, der kein guter Kletterer war, erschrak, als er den Teufel erblickte und fiel vom Baum herunter. In seiner Angst konnte er sich nicht einmal mehr umdrehen, sondern kroch rückwärts in den Fluss zurück. Der Ärmste kriecht noch heute rückwärts — wahrscheinlich fürchtet er sich noch immer vor dem Teufel. Der Teufel, der vor Wut fast Feuer spie, eilte zur Wiese, um nach seinen Kühen zu sehen. Aber er fand keine einzige Kuh mehr. Nur den Grünspecht, der nichts Arges ahnte, schlief noch fest. In seinem Zorn ergriff der Teufel einen Stock und schlug den Grünspecht damit auf den Kopf, der sich gleich vom Blut rot färbte. Der aufgescheuchte Schläfer begann weinend die verlorenen Kühe zu locken: "Tprr, tprr, tprr!"

So lockt der Ärmste noch heute, aber bis jetzt hat er keine der verlorenen Kühe zurückbekommen. Vor Kummer hat er noch bis heute keine Zeit gehabt, seinen Kopf abzuwaschen: Der ist noch heute rot.

Der Teufel kam bald auf den Gedanken, dass die verschwundenen Kühe in den Ställen Gottes sein würden.

Deshalb zog er seinen langen, schwarzen Rock mit den großen Knöpfen an und begab sich zu Gott. Aber als er dann schließlich begann, Gott einen Dieb zu schimpfen, packte Gott ihn am Kragen und warf ihn hinaus, indem er rief: "Da hast du den Dieb! Da hast du den Dieb!" Der Teufel musste abziehen. Noch manches Mal hat er mit Gott über dieselbe Sache gehadert, aber es war alles vergeblich, denn ihm fehlten Beweise. Seit der Zeit besitzt der Teufel keine Kühe mehr. Gott hatte jedoch nicht so viel Glück mit den Kühen wie früher der Teufel, deshalb verschenkte er später die Kühe an die Menschen.

(Anmerkung des Sprachredakteurs: lett. Dzilna — Grünspecht ist weiblich)

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