Die Kühe des Teufels und die Kühe Gottes

From Pasakas un teikas
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Comments: An Stelle von Gott und Teufel sind hier der Pfarrer und der Kaufmann eingeführt. P. Š.


Nicht weit von der Kuhweide des Pfarrers befand sich auch die Weide eines reichen Kaufmanns. Beide mussten ihr Vieh im Walde hüten. Pupatīte (=ein Vögelchen) hütete das Vieh des Pfarrers, der Grünspecht hütete das Vieh des Kaufmanns. Der Herr des Grünspechts überredete diesen, hier und da dem Pfarrer eine Kuh zu stehlen. Pupatīte wurde deshalb ausgescholten, und schließlich drohte man ihr sogar mit dem Gefängnis. Einmal trieb Pupatīte das Vieh auf die Wiese, setzte sich auf einen Hümpel und begann bitterlich zu weinen. Da kam ein Männlein auf sie zu und fragte sie, warum sie weine. Die kleine Hirtin erzählte aufrichtig von ihrem Kummer. Da fragte das Männlein, wie viele Kühe ihr bereits gestohlen worden seien. Als die Hirtin es ihm gesagt hatte, meinte er, sie solle manchmal dem Kaufmann auch eine Kuh stehlen. Die Hirtin antwortete darauf: "Er hat nicht solche Kühe wie ich."

Das Männchen fragte: "Wie sahen denn deine Kühe aus?" Die kleine Viehhüterin antwortete: "Meine Kühe haben Hörner und gespaltene Hufe, die Kühe des Grünspechts haben aber runde Hufe und sind ohne Hörner. Und ihre Kühe haben viel mehr Zitzen als die Meinigen."

Da sagte das Männchen: "Wenn du bereit bist, meinen bunten Rock mit deinem weißen zu tauschen, dann will ich dir so helfen, dass dir niemand mehr deine Kühe stehlen wird."

Die Hirtin war damit einverstanden. Da riet das Männchen ihr, in der Nacht niemand etwas zu erzählen, aber am nächsten Morgen ihre Kühe in die Nähe der Kaufmannskühe zu treiben.

Am nächsten Morgen trieb Pupatīte ihre Kühe zur Hütung und weidete sie in der Nähe der Kaufmannskühe. Da das Männchen noch nicht erschienen war, begann sie schon zu denken, dass er sie vielleicht betrogen hatte. Kurz, bevor sie das Vieh heimtreiben musste, erschien das Männchen und sagte, sie solle auch die Kühe des Kaufmanns zu ihrer Herde treiben. Da sagte Pupatīte, dass sie Angst habe, denn der Grünspecht werde sie verprügeln. Das Männchen aber sagte, der Grünspecht sei ganz fest eingeschlafen. Da gehorchte Pupatīte und trieb die Kaufmannskühe zu ihrer eigenen Herde. Nur die Leitkuh der Herde, die den Namen Ilse hatte, wollte nicht kommen. Jetzt ging das Männchen an die Arbeit: Schnell spaltete er den dazugetriebenen Kühen die Hufe und machte ihnen Hörner an den Kopf. Die Hirtin jedoch dachte an die Zitzen (lett. Pupi), sie lief herum und rief: "Pupu, pupu, pu."

Da geht das Männchen auch an die Zitzen 'ran: er drückt und schiebt sie von der Brust immer mehr nach hinten, bis er die Milch zwischen die Hinterbeine in den Euter geschoben hat. Die leeren Enden der vorderen Zitzen schnitt er mit dem Messer ab und ließ nur einen dicken Wulst, welchen wir die Milchader nennen, bestehen. Dann sagte er zu der Hirtin, sie möchte jetzt schnell das Röckchen wechseln und die Kühe heim treiben, denn der Grünspecht könne bald erwachen. Pupatīte war mit ihren Kühen noch nicht zu Hause angekommen, als der Grünspecht bereits erwacht war und im Walde herumzulaufen und zu rufen begann: "Tpru, tpru, wo ist die Ilse?" Und das macht sie noch bis auf den heutigen Tag. Pupatīte jedoch, die jetzt ihr buntes Röckchen trägt, erinnert sich noch immer an die großen Sorgen wegen der Zitzen und ruft: "pupupu."

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