Die Sichel Gottes und die Sense des Teufels

From Pasakas un teikas
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Viel Zeit war vergangen. Gott und der Teufel hatten sich wieder ausgesöhnt. Der Teufel hatte die Kühe bereits vergessen und sich anderes Vieh angeschafft. Gott mühte sich mit seinen durch List erworbenen Kühen ab. Zur Sommerzeit grasten

sie auf der Weide, aber für den Winter musste man Heu beschaffen. Es kostete viel Zeit und viel Arbeit, bis man genug Heu beisammen hatte. Der Teufel hatte es etwas leichter, denn er besaß bereits eine Sense zum Mähen, Gott dagegen musste das Gras noch mit der Sichel schneiden. Der Teufel pflegte des Morgens lange zu schlafen, tagsüber faulenzte er viel und abends ging er bereits früh schlafen. Gott dagegen arbeitete sehr fleißig, konnte dennoch mit dem Teufel nicht Schritt halten. Eines Morgens war Gott wieder fleißig bei der Arbeit: die Sonne war schon hoch am Himmel und er musste sich oft den Schweiß abwischen, aber geschafft hatte er noch nicht viel. Der Teufel aber schlief ganz ruhig am Waldrand. Da fiel es Gott ein, das Mähen mit dem Gerät des Teufels auszuprobieren. Der Teufel hatte die Sense nicht weit von sich im Gras liegen lassen. Gott hob die Sense auf und begann mit ihr zu mähen, wie er das beim Teufel gesehen hatte. Es war eine Freude zu sehen, wie die Sense das Gras schnitt: in kurzer Zeit hatte er so viel abgemäht, wie er mit der Sichel nur in einem Monat geschafft hätte. Er hätte noch mehr geschafft, wenn er es gewagt hätte, die Sense zu dengeln. Aber er hatte Angst den Teufel zu wecken. Schließlich bemerkte Gott, dass der Teufel zu gähnen und sich zu drehen begann. Da legte er die Sense an den alten Platz hin und entfernte sich, um sich weiter weg auf einem Hümpel hinzusetzen. Der Teufel erwachte, gähnte, stemmte die Arme in die Seiten, schaute sich um und begann zu pfeifen. Zu seiner Verwunderung bemerkte er auf einmal, dass — während er geschlafen hatte — Gott ein großes Stück Wiese, das an seiner Wiese grenzte, abgemäht hatte, und nun ruhig saß. Er hatte erwartet, dass er sich mit seiner Sichel plagen würde wie bisher. Was nun? Er ging auf Gott zu, um sich zu erkundigen, wie es komme, dass er ein so großes Stück abgemäht habe. "Das habe ich mit diesem Gerät gemacht," antwortete Gott und zeigte ihm eine ganz schartige Sichel. "Aber warum hast du es denn sonst nicht so gut gekonnt?" Wollte der Teufel wissen. "Dann habe ich ja mit dieser hier geschnitten," sagte Gott und zeigte dem Teufel eine gut gedengelte Sichel. Die Sichel gefiel dem Teufel sehr gut, denn er hielt die Sense für schwer und unhandlich. Er versprach Gott eine gute Zugabe und tauschte mit ihm die Geräte. Für Gott war das Mähen jetzt ein Vergnügen, der Teufel musste aber auf den Schlaf verzichten, wenn er etwas schaffen wollte. Bald wollte der Teufel einen Rücktausch machen, aber Gott ließ sich darauf nicht ein: Getauscht ist getauscht. Schließlich ging Gott die Sense verloren. Nach langen Jahren wurde sie von Menschen gefunden, die nach ihrem Muster Sensen für sich anfertigten.

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