Die Sichel Gottes und die Sense des Teufels

From Pasakas un teikas
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Comments: Vgl. Arn, Nr. 1090 u. 1083. P. Š.


Einst lebten Gott und der Teufel zusammen. Die Felder hatten sie unter sich aufgeteilt. Zur Zeit der Heumahd mussten sie ihre Wiesen mähen — jeder sein Stück. Der Teufel hatte eine Sense, Gott nur eine Sichel. Bis zum Frühstück arbeitete der Teufel recht tüchtig und hatte ein großes Stück Wiese abgemäht. Gott saß auf einem Stein und rauchte sein Pfeifchen.

Dann ging der Teufel zum Frühstück heim und ließ die Sense auf der Wiese zurück. Gott nahm die Sense des Teufels und mähte in dessen Abwesenheit ein doppelt so großes Stück Wiese ab, wie der Teufel selbst. Dann legte er die Sense an ihren alten Platz zurück. Der Teufel hatte sich ausgeschlafen und kehrte zur Wiese zurück. Als er sah, dass Gott ein doppelt so großes Stück abgemäht hätte, fragte er: "Hast du mit deiner Sichel so viel schaffen können? Ich hätte nie gedacht, dass man mit einer Sichel das Doppelte schaffen kann. "Höre, Gott, mein lieber Nachbar, tauschen wir unsere Geräte!" Da sagte Gott: "Nun, was soll man mit dir machen — so tauschen wir eben!" Gott mähte seine Wiesen ab, der Teufel schaffte es nicht — das Gras blieb ungemäht. Da kam der Teufel zu Gott und sagte: "Du hast mich betrogen. Jetzt wollen wir miteinander kämpfen. Aber welche Waffen nehmen wir? Nehmen wir Spieße!" Der Teufel ließ sich einen eisernen Spieß schmieden, Gott dagegen nahm nur eine Holzgabel mit zwei Zinken als Waffe. Da fragte der Teufel: "Wollen wir gleich beginnen?" Gott meinte: "Gehen wir an die Grenze." Die war durch eine Hecke gekennzeichnet, auf der einen Seite der Hecke war der Teufel, auf der anderen — Gott. Als sie sich gerade anschickten, ihre Waffen zu gebrauchen, bemerkte der Teufel, dass der Spieß Gottes zwei Zinken hatte. Sogleich fragte er Gott: "Warum hat dein Spieß zwei Zinken?" Darauf antwortete Gott: "Wenn du mich stechen wirst, werde ich ein Loch (eine Wunde) bekommen, wenn ich dich stechen werde, wirst du gleich zweimal durchlöchert." Da sagte der Teufel: "Höre, Nachbar, tauschen wir die Spieße!" Gott war bereit.

Nun begannen sie nach einander zu stechen. Der Spieß des Teufels verfing sich in der Hecke, Gott dagegen fügte dem Teufel viele Wunden zu.

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