Per Teufel erschafft Wölfe

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search

Einst hatte der Teufel Langeweile. Er dachte und grübelte: "Soll ich dies, soll ich das tun?" Es half alles nichts, ihm war, als wäre er vernagelt. Da sah er einen Hund und dachte: "Verdammt — was Gott für saubere Handarbeit liefert! "Wart, wart, ich will auch einmal probieren, ein lebendes Wesen zu schaffen." Er nahm einen Zaunpfahl: aha, das gibt ein Rückgrat! Er geht in die Lehmgrube — eins, zwei, drei — ist der Wolf fertig. Er besieht ihn von außen — nichts zu sagen, er ist hübsch geraten. Jetzt will er ihm Leben einblasen. Er bläst und bläst — alles umsonst. Da schien er wohl schon ein klein wenig den Schwanz zu bewegen, aber sonst war und blieb er steif.

Dem Teufel bleibt nichts anderes übrig, er muss sich an Gott wenden: Ob er nicht so gütig sein wolle, seinem Geschöpf das Leben zu geben? Gott war nun klug genug, seine Bitte nicht gleich zu erfüllen: Zuerst solle der Teufel ihm sagen, was für ein Gewerbe der Wolf haben solle. Der Teufel sagte, er solle Schafhirt werden. Gott antwortete, dann sei nichts dagegen zu sagen, ein gutes Werk unterstütze er immer. Der Wolf erhielt auf der Stelle Leben.

Der Teufel machte wohl noch die Bemerkung, ohne Lohn könne man dem Wolf doch keine Arbeit aufbürden. Gott antwortete: "Natürlich, wie die Arbeit, so der Lohn; er solle nur hüten gehen, die Bäuerin müsse ihm dafür jedes Mal das Ausgeschabte aus dem Backtrog geben, dann könne er sich auch nicht beklagen." "Nun, gut, so mag es denn bleiben."

Der Wolf geriet nun in die Hände einer bösen Bäuerin. Ein, zweimal erhielt er das Ausgeschabte, dann aber konnte er sich wohl das Maul lecken, aber zur Hütung musste er, mochte er auch dabei vergehen. Der Wolf, nicht faul, ging zu Gott: "Was ist das für ein Leben, Arbeit bei Tag und Nacht! Zur Hütungszeit musst du auf die Hütung, kommst du dann aber nach Hause, so musst du Wasser schleppen, Geschirr scheuern, das Vieh tränken. Spalte Holz, jäte den Garten! Und was die Kost anlangt, sieh da, verfaulte Späne! Das Ausgeschabte kriegt man nicht zu sehen." Gott sagte, wenn die Bäuerin ihr gegebenes Wort nicht halte, möge er sich an den Schafen schadlos halten, dass der Wolf Hungers sterbe, wünsche er nicht. Der Wolf aber, „ach, du lieber Gott" ging schmunzelnd heim.

Die Bäuerin wundert sich, dass ihr Hirte so fröhlich geworden ist, nicht mehr ächzt und stöhnt, obschon er seit langer Zeit kein Ausgeschabtes mehr bekommen hat. Es vergeht eine Woche, zwei, der Hirte geht einher so kugelrund, wie eine Dotterblume. Da plötzlich fährt es der Bäuerin durch die Glieder: Wie kommt es, dass sie so wenig Schafe hat? Das ist doch auffallend und sonderbar, da muss man den Hirten fragen. Der Wolf antwortet, er habe die Schafe, anstatt der versprochenen Kost gefressen. — "Ach du, Satan, bei Gott, er hat sie alle verschlungen; verschluck dich an dir selbst! Wart, du Teufelsbraten, dich will ich lehren!"

Die Wirtin verspricht, sie werde ihn künftig den vereinbarten Lohn nicht vorenthalten, nur solle er die Schafe nicht anrühren. Am nächsten Tage macht sie einen Stein glühend heiß. Der Hirte hat die Schafe zusammengetrieben und streckt sich auf dem Hofe aus. Die Wirtin schreit ihn an: "Was faulenzest du? Komm und nimm dein Ausgeschabtes." Der Wolf kommt mit aufgereckten Ohren. Er solle das Maul gut aufsperren, sie habe den Laib schon auf der Schaufel. Dann warf sie ihm den Stein in den Schlund, dass es laut zischte. "Hier, du Satan, das hast du für dein Schaffressen!" Der Wolf wollte vor Schmerzen den Verstand verlieren. Den Stein spie er wohl sofort wieder aus, aber Zunge und Rachen sind dem Kerl bis zum heutigen Tage rot.

Er lief in den Wald und schwor sich, nie wieder Hirtendienst zu übernehmen, aber die Schafe wolle er zausen bis aufs äußerste. Dann möge die Wirtin seinethalben auf einer Radnabe pfeifen wie auf einem Horn.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox