Der Teufel versteckt das Feuer

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search
Comments: Diese Variante scheint doch stark ausgeschmückt zu sein. P. Š.


In alten Zeiten beherrschte die Welt ein einziger König. Der hatte eine so große Macht, dass nicht nur die Menschen, sondern auch alle Tiere, Insekten, kurz alle lebenden Wesen, die sich auf Erden befanden, seinen Befehlen gehorchten. Ein großes Übel aber bestand damals darin, dass es kein Feuer auf der Welt gab. Und sobald die Sonne untergegangen war, konnte man weder sehen, noch war es möglich, sich zu erwärmen. Man wusste zwar, dass das Feuer tief unten in der Hölle zu finden war, aber niemand konnte dorthin gelangen um es herauszuholen. Der König versprach dem, der es erlangen würde, einen hohen Lohn. Viele bemühten sich darum und fahndeten nach dem Feuer, aber keinem wollte es gelingen, seiner habhaft zu werden. Der König aber wollte um jeden Preis bei seinen Lebzeiten allen zum Feuer verhelfen. Er berief alle seine Ratgeber zu sich und ließ sie entscheiden, welchen Lohn er demjenigen aussetzen solle, der ihm das Feuer brächte. Sie berieten hin und her und setzten zuletzt einstimmig fest, dass der, der dem König das Feuer brächte, für sich und seine Kindeskinder für ewige Zeiten das Recht haben sollte, von allen Tischen umsonst zu essen, und niemand sollte es ihm verwehren oder ihn forttreiben dürfen. Diese Botschaft verbreitete man nun auf der ganzen Welt bei den wilden und zahmen Tieren, den Vögeln, Würmern und Insekten. Niemand konnte jedoch das Feuer aus der schrecklichen Tiefe hervorholen. Viele, viele fanden dabei ihr Ende.

Da begab es sich, dass auch die Spinne von der Botschaft vernahm, und alsbald entschloss sie sich das Feuer zu holen und begann aufs hurtigste einen Strick zu spinnen. Als sie schon eine gehörige Menge gesponnen hatte, machte sie sich, ohne es jemandem zu verraten, auf den Weg zur Hölle. Dort angekommen, befestigte sie oben den Strick recht stark und ließ sich dann wie spielend in den Höllenschlund hinab, in dunkelsten Winkel, damit man sie nicht bemerke. Nachdem sie sich in einem günstigen Augenblick an den Flammenstoß geschlichen hatte, ergriff sie einen tüchtigen Feuerbrand und kletterte an ihrem Strick, wie an einer Leiter wieder glücklich empor. Aber eine so gute Kletterin sie auch war, war sie doch, als sie ein so großes Stück noch dazu mit einer solchen Last hinaufsteigen musste, recht müde geworden. Als sie an eine sichere Stelle gekommen war, machte sie Halt, um sich ein wenig zu erholen. Das Feuer legte sie an ihr Kopfende. Sie wollte nur ein klein wenig ruhen, aber die Müdigkeit überkam sie und sie verfiel in einen tiefen Schlaf. Die Sonne war schon nahe am Erlöschen, und die spinne schlief noch immer. Da drang einer Fliege, die hin und her strich, ein sonderbarer Geruch in die Nase. Sie schaute um sich und gewahrte zu ihrer Verwunderung den am Kopfende der Spinne glimmenden Brand. Sie merkte ja wohl, dass das Feuer der Spinne gehören müsse, aber was tat sie? Sie sagte: "Was wird die Schlafmütze mit dem Feuer anfangen? Während sie schläft, könnte ja das Feuer verlöschen, und der Lohn passt besser für mich als für sie!" Schnell ergriff sie den Brand und flog mit ihm davon. Sie trug ihn zum König und behauptete, sie habe das Feuer aus der Hölle geholt und nun solle er ihr eine Urkunde verleihen, nach der, die Fliege an allen Tischen solle schmausen dürfen.

Die Spinne erwachte erst zur Vesperzeit. Als sie sah, wie tief die Sonne stand, erschrak sie, dass sie zu lange geschlafen habe. Aber wie groß war erst ihr Schreck, als sie das Feuer nicht mehr an seiner Stelle fand. Jetzt lief sie wie toll herum und suchte nach ihm. Wem sie begegnete, den fragte sie, ob er nicht das Feuer auf dem Wege zu Hölle gesehen habe. Aber alle lachten sie aus und schalten sie verrückt, hatte doch eben erst die Fliege dem König das Feuer gebracht, und sie wollte es verloren haben. Als die Spinne diese Nachricht vernahm, wurde sie ganz kalt und steif. In ihrer Wut fing sie aus vollem Halse zu schreien an: "Die Fliege ist eine Diebin, das sage ich, und nur mir gebührt der Lohn!" Alle horchten auf die Worte der Spinne, doch sagten sie, alles werde umsonst sein, da die Fliege schon die Urkunde in Händen habe. Darüber geriet die Spinne in noch größeren Zorn und beschloss der Diebin den verdienten Lohn nicht schuldig zu bleiben.

Stolpernd und schnaufend begab sie sich zum König und erzählte ihm voller Wut, wie schrecklich die Fliege sie bestohlen habe. Die Fliege behauptete, die Spinne lüge, denn wer habe das Feuer bei ihn gesehen? Der König befahl der Spinne, ihre Aussage zu beweisen, könne sie das nicht, so solle sie sich nicht wieder blicken lassen. Die Spinne sagte zwar, ihr Strick, an dem sie sich zur Hölle heruntergelassen habe und das Feuer geholt habe, sei noch immer am Eingang zur Hölle festgebunden. Aber all das nützte nichts, da der Diebstahl nicht zu beweisen war. Die Spinne ging weg, verfluchte und verwünschte die Fliege und versammelte alle Spinnen um sich und erzählte ihnen, dass die Fliege durch seinen Fleiß und Schweiß zu solchen Ehren gekommen sei. Sie bestehlend und verleumdend habe die Fliege alle Spinnen bestohlen. Man müsse sich daher an allen Fliegen rächen. Alle waren einverstanden und beschlossen Netzte zu weben und darin die Fliegen zu fangen und welche immer sie fangen würden — Kopf ab! Von dieser Zeit an begannen alle Spinnen Netze zu weben und Fliegen zu fangen, aber dennoch ist es den Fliegen erlaubt an aller Herren Tischen zu speisen.

S. 184

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox