Gott und der Teufel ärgern einander

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Gott hatte einen Brunnen, an dem sein Vieh getränkt wurde. Der Teufel wollte Gott ärgern. Deshalb begab er sich zu ihm und beklagte sich über die Boshaftigkeit der Menschen. Dabei bat er ihn, seine Untertanen besser zu beaufsichtigen. Auf dem Heimweg trank der Teufel den Brunnen Gottes leer. Gott sagte nichts dazu. Er füllte den Brunnen mit Bier, und tränkte das Vieh an einer anderen Stelle. Der Teufel aber kam ein zweites Mal mit denselben Klagen, und trank auf dem Heimweg wieder den Brunnen leer. Aber diesmal hatte der Teufel sich verrechnet. Nachdem er den Brunnen geleert hatte, fiel er wie ein Klotz neben den Brunnen hin. Gott fesselte den Betrunkenen und hielt ihn drei Jahre gefangen. Im ersten Jahr bat der Teufel, man möchte ihn doch loslassen, aber Gott ließ ihn nicht los; im zweiten Jahr bat er Gott wieder, er möchte ihn doch loslassen, aber Gott befreite ihn nicht; im dritten Jahr sprach er zu Gott: "Nun, wenn du mich nicht loslässt, so lässt du mich nicht los, aber sprich mir doch wenigstens die paar Wörtchen nach, die ich dir vorsagen werde!"

Aber Gott tat es nicht: er winkte ab und begab sich zu seinem Vieh. Nach langer Zeit gelang es dem Teufel schließlich, die Fesseln durchzureißen Er warf sie weg — die Fesseln flogen über hundert Meilen weit davon. Der Teufel breitete gleich die Arme aus, um mit Gott zu ringen, aber Gott packte den Teufel und schleuderte ihn zweihundert Meilen weit fort. Dann jagte er ihm nach, um ihn noch ein zweites Mal zu packen. Wer weiß, wie es ihm jetzt ergangen wäre. Aber der Teufel war geschickt: er nahm ungefähr das Aussehen Gottes an, kam auf Umwegen zurück und ermunterte die Leute, Bier zu brauen. Die Menschen begannen zu brauen, aber sie hatten keine Hefe. Was war nun zu tun? Da war der Teufel mit seinem Rat zur Stelle. Er neckte den Eber und jagte ihn hin und her, bis ihm weißer Schaum aus dem Maul quoll. Den Schaum gab er den Menschen anstelle der Hefe.

Gott suchte drei Jahre lang nach dem Teufel. Im dritten Jahr kehrte er zu einer Frau in einer ärmlichen Hütte ein. Die Frau erkannte ihn gleich und fragte: "Bist du nicht Gott?"

"Das bin ich wohl!"

"Nun, was bist du für ein Gott, da du seit drei Jahren die Menschen nur zu schlechten Taten ermunterst?"

"Das wird der Teufel gewesen sein, nicht ich!" Rief Gott aus und rannte nach Hause, um sich gleich auf den Teufel zu stürzen. Aber der Teufel floh über das Meer und versteckte sich in einer Höhle.

Da schickte Gott den Bären aus, den Teufel zu suchen. Selbst blieb er zu Hause, um die Menschen wieder auf den rechten Weg zu führen. Es kostete ihn viel Mühe, sie wieder zu bekehren. Der Bär musste um das Meer herumgehen. Schließlich spürte er den Teufel in der Höhle auf. Der Bär berichtete Gott, dass er den Gesuchten gefunden habe. Gott belehrte den Bären, sich klug zu verhalten und schickte ihn zu dem Teufel zurück. Der Bär kroch in die Höhle zu dem Teufel und sagte: "Du Dummkopf, warum versteckst du dich denn von Gott? Drehe lieber einen festen Strick, mach eine Schlinge daraus, wirf sie Gott um den Hals und zieh sie zu." Ein solcher Rat gefiel dem Teufel. Als der Strick fertig war, sagte der Bär: "Höre, lass mich ihn prüfen, ob er auch stark genug ist!" Der Teufel reichte dem Bären den Strick, aber der Bär riss ihn durch. Nun drehte er einen festeren Strick. Als der neue Strick fertig war, sagte der Bär wieder: "Höre, lass mich ihn prüfen, ob er auch stark genug ist!" Aber der Bär riss den Strick auch diesmal durch. Nun drehte er einen dritten Strick, so fest und stark wie er nur vermochte. Während er noch den Strick drehte, eilte der Bär zu Gott und sagte, er möchte jetzt mitkommen. Gott ging mit und blieb draußen vor der Höhle. Der Bär kroch in die Höhle hinein.

"Nun, wie weit bist du denn? Ist der Strick endlich fertig?"

"Er ist ja fertig?" Antwortete der Teufel.

"Nun, dann gib schon her, ich will ihn prüfen!" Er zerrte und riss an dem Strick, konnte ihn aber nicht durchreißen. "Höre, diesmal scheint er gut zu sein. Aber jetzt müssen wir die Schlinge ausprobieren. Wirf sie dir um den Hals, damit wir sie erproben können."

Sobald der Teufel die Schlinge um den Hals hatte, warf der Bär das Ende des Strickes zum Höhleneingang hinaus. Gott zog die Schlinge zu und fesselte den Teufel zum zweiten Mal. Im ersten Jahr flehte der Teufel Gott an, ihn freizulassen. Aber Gott befreite ihn nicht. Im zweiten Jahr fragte der Teufel Gott, wann er ihn denn endlich loslassen wolle. Gott antwortete: "Wenn der Tanne die Nadeln abfallen werden!" Als der Teufel auch im dritten Jahr nicht freigelassen wurde, rief er heimlich sieben Helfer herbei, die mit der Zeit den Strick auflösten. Da begab sich der Teufel in eine andere Gegend und kam Gott nicht mehr unter die Augen.

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