Gott und der Teufel ärgern einander

From Pasakas un teikas
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Comments: Die Sage ist sehr verkürzt worden, indem man alle unbedeutenden Stellen ausgelassen hat. P. Š.


Zu jener finsteren und schweren Zeit, als arme Bäuerlein im Winter in verrauchten Korndarren lebten, im Herbst aber, wenn man in den Korndarren das Getreide vor dem Dreschen trocknete, wohnten die Leute in ihren Kleten (Getreidespeicher) wobei die älteren auf der Tenne in der warmen Korndarre, die jüngeren auf dem Stallboden oder im Stroh schliefen, weil es damals noch keine Wohnhäuser oder, der Korndarre angebaute warme Stuben gab — zu der Zeit hatte sich der Teufel in der Korndarre eines Bauern eingenistet, wo er sich den Leuten oft zeigte und die, die es gewagt hatten, in der Korndarre zu schlafen, an den Beinen packte, auf der Tenne herumschleifte und drohte, sie in den Ofen zu werfen, wenn sie nicht gleich die Korndarre, die seine Behausung sei, verlassen würden. Deshalb verließen die Schläfer fluchtartig die Korndarre und dankten noch Gott dafür, dass sie mit heiler Haut den Klauen des Teufels entkommen waren. Als nun der Bauer mit seinem Gesinde um Mitternacht aufstand und zum Dreschen in die Korndarre kam, da, hörten sie den Teufel fluchen, der sich beklagte, dass man seine Nachtruhe störe. .Dann sprang er auf den Darrofen und verschwand.

An einem Samstagabend — nachdem den ganzen Tag ein kalter Regen gefallen war — saßen die Leute, die von der Fronarbeit auf dem Gut, bei der sie den ganzen Tag beim Kartoffelroden gefroren hatten, heimgekehrt waren und sich in der Badstube den Staub der Woche abgewaschen hatten, in der Klete (Getreidespeicher) beim Licht des Spanholzes und aßen zu Abend: gebratene Kartoffeln mit Hanf. Sie aßen schweigend, denn sie waren sehr müde und sehnten sich nach ihrem Lager, um sich von der schweren Arbeit der Woche zu erholen.

Nach dem Abendessen sprach der Bauer ein kurzes Gebet und wünschte allen einen ruhigen Schlaf unter dem Schutz des barmherzigen Gottes.

"Wie angenehm wäre es jetzt, in einer warmen Korndarre zu schlafen, wenn der ungute Geist sich dort nicht niedergelassen hätte."

"Wer weiß wie es noch im Winter werden wird, wenn wir mit dem Dreschen fertig sein werden und die Kälte uns alle zwingen wird, in der Korndarre Schutz zu suchen," sagte einer der Knechte. "Ob der Böse auch dann noch in der Korndarre bleiben wird?"

"Es ist schon möglich, dass er dort bleiben wollen wird," antwortete der Bauer.

Da betrat ein alter Bettler die Klete ^und erzählte den Leuten, die über einen so späten Gast etwas aufgeregt waren, dass er von weit her gekommen sei, und dass er, ohne diese Gegend zu kennen, sich verirrt habe, so dass er jetzt in der Dunkelheit nicht wisse, wohin er gehen, wohin er sich wenden sollte. Er sei von dem kalten Regen völlig durchnässt, sehr müde und auch sehr hungrig, und deshalb bitte er die guten Leute, ihm um Gottes willen etwas zu essen zu geben und ihn an einem warmen Platz schlafen zu lassen.

"Das Abendbrot kannst du bekommen", erwiderte der Bauer, aber einen warmen Platz zum Schlafen haben wir nicht, denn wir selbst müssen auf dem kühlen Heuboden schlafen."

"Als ich aber an der Korndarre vorbeiging, sah ich durch die Türritze, dass im Ofen Feuer brannte. Dort ist es gewiss warm. Würdet ihr mir erlauben, dass ich dort übernachte?"

"Das würden wir gern erlauben und auch wir selbst würden gern in der Korndarre schlafen, aber niemand kann dort übernachten, denn dort hat sich der Böse eingenistet, der keinen Menschen in Frieden lässt und droht, jeden, der die Korndarre nicht verlassen will, in den Ofen zu werfen."

"So, so," sagte da der Alte. "Aber mir könnt ihr es erlauben in der Korndarre zu schlafen, denn ich habe vor dem Bösen keine Angst und er kann auch nichts gegen mich ausrichten."

"Wenn du es nun so wünscht, so kannst du in der Korndarre schlafen," antwortete der Bauer, "aber sollte dir der Böse in der Nacht etwas antun, so gib mir nicht die Schuld!"

Dann bot der Bauer dem Bettler zu essen an. Der Fremde setzte sich hin und begann Kartoffeln mit gestampftem Hanf zu essen. Die Bäuerin stellte vor ihn — er war ja Gast — auch ein Butternäpfchen hin. Der Bettler aß, bedankte sich und begab sich dann — von dem Bauer geleitet — zur Korndarre.

Der Knecht des Bauern und sein Freund schlichen sich ebenfalls zur Korndarre, wo der fremde Bettler sich schlafen gelegt hatte. Sie öffneten einen Spaltbreit die Korndarrentür, um sehen zu können, was dort geschehen werde. Plötzlich konnte man ein Rumoren hören, und eine große Gestalt sprang von dem Darrofen herunter. Die Gestalt war rot gekleidet, hatte ein sehr hässliches Gesicht, zwei Hörner an der Stirn, einen Schwanz und einen Pferde und einen Hahnenfuß.

"He," rief der Teufel, "wer bist du denn, dass du es wagst, die Nacht in der Korndarre verbringen zu wollen?"

Der Schläfer erwachte und antwortete ganz ruhig: "Der Bauer hat mir erlaubt hier zu schlafen. Aber was bist du für einer?"

Der Teufel musste sich über die ruhige Antwort und über die mutige Frage wundern.

"Ich bin der Herr dieser Korndarre, und ohne meine Erlaubnis darf hier niemand schlafen!" Antwortete der Teufel drohend.

"Du bist hier ein ungebetener Herr. Vor einem solchen habe ich keine Angst."

Da kam der Teufel auf den Schläfer zu und herrschte ihn an: "Verlässt du nicht augenblicklich die Korndarre, so werde ich dich an den Beinen packen und in den brennenden Ofen werfen"

Indem er so schrie, packte er den Schläfer an den Beinen und wollte ihn zum Ofen schleifen, konnte ihn jedoch nicht von der Stelle bewegen. Aber der Alte zerrte jetzt den Teufel zum Ofen hin und — obwohl er bettelte, ihn laufen zu lassen — warf er ihn ins Feuer. Der Alte verschwand, aus dem Ofen aber schoss schwarzer, stinkenden Rauch hervor. Das alles war so schnell geschehen, dass die beiden Burschen, die hinter der Tür standen, mit offenem Mund stehen blieben.

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