Gott tut den Menschen Gutes, der Teufel Schlechtes

From Pasakas un teikas
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Auf einem Gutshof wurden die Fronarbeiter am späten Abend nach Hause entlassen. Es war ein dunkler Herbstabend mit bewölktem Himmel. Es war schon schwer, sich auf der Landstraße in der Dunkelheit zurechtzufinden, geschweige denn noch auf Wald- und Wiesenpfaden. Der Hof des, einen Fronarbeiters befand sich nicht an der Landstraße, sondern hinter dem großen, dichten Gutwald, durch den sein Weg führte. Der Fronarbeiter bekreuzigte sich und betrat den Wald, wo unter den Tannenzweigen eine ebenso schwarze Finsternis herrschte, wie in einem Haus ohne Fenster zur Nachtzeit. Der Fronarbeiter hoffte dennoch, mit seinem Stock den Weg zu ertasten und nach Hause zu kommen, um sich nach der schweren Arbeit der Woche in der warmen Badstube den Staub vom verschwitzen Leibe abwaschen und auf der Pritsche im heißen Dampf seine Glieder wieder geschmeidig werden lassen zu können. Aber bald merkte er doch, dass er vom Wege abgekommen und zwischen die Bäume geraten war. Er bahnte sich mit dem Stock den Weg zwischen den Bäumen, aber auf die Straße kam er nicht mehr. So war der arme Mann in eine unangenehme Lage geraten, aus der er sich vor dem Morgengrauen zu befreien, nicht erhoffen konnte. "Wenn ich nur aus dem Wald herauskäme!" Murmelte er, "Wenn doch der liebe Gott mir helfen würde!"

Schließlich, als es nach seinem Empfinden schon spät nach Mitternacht sein musste, erreichte er den Waldrand und kam an eine Korndarre. Er betrat die Korndarre. Im Darrofen loderte noch Feuer und davor saß ein alter Mann.

"Wer kommt da?" Fragte der Alte.

"Ein Gutsarbeiter, der sich verirrt hat." "Komm nur her, Söhnchen," sagte der alte Mann freundlich, "setz dich hier vor den Ofen. Hast du dich dann erwärmt, so kannst du dort auf dem Strohhaufen bis zum Morgen schlafen." Dann verließ der Alte die Korndarre, und der Fronarbeiter blieb allein. Plötzlich betrat ein großer schwarzer Herr lärmend die Korndarre. Er hatte einen Pferdefuß und einen Hahnenfuß, und der Fronarbeiter begriff so gleich, wer das sein mochte.

"Wer hat es dir erlaubt, diese Korndarre zu betreten?" Herrschte der schwarze Herr den Gutsarbeiter an.

"Der alte Mann, der wahrscheinlich der Darrofenheizer war," antwortete der Gutsarbeiter.

"Hier bin nur ich der Herr," schrie der Teufel ihn zornig an. Dann nahm er seinen Spieß und begann mit den Zähnen das angespitzte Ende zu benagen, um es noch schärfer zu machen. "Weil du ohne meine Erlaubnis hier hereingekommen bist, werde ich dich aufspießen, braten und aufessen."

"Möchte mir Gott helfen!" Rief der Gutsarbeiter in seiner Angst aus.

In demselben Augenblick lief ein Wolfsrudel herein. Die Wölfe packten den Teufel und rissen ihn in Stücke. Jeder der Wölfe packte ein Stück des Leibes des Teufels zwischen die Zähne und alle rannten wieder zur Tür hinaus, ohne auf den Gutsarbeiter zu achten.

"Jetzt weiß ich es, der Alte war wohl Gott selbst!"

Dann schlief er ruhig bis zum nächsten Morgen. Als er aufgestanden und hinausgegangen war, sah er, dass er sich bis zu der Korndarre des Vorwerks des Nachbarherrn verirrt hatte, von dem, sein Hof nicht weit entfernt war.

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