Gott tut den Menschen Gutes, der Teufel Schlechtes

From Pasakas un teikas
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Einem armen Mann starb die Frau im Kindbett zusammen mit dem Neugeborenen. Er hatte jedoch kein Geld, um dem Küster für die Bestattung der Frau und des Kindes zu bezahlen. In der Abenddämmerung ging er am Ufer des Burtnieku ezers auf und ab und dachte bei sich: "Wenn doch jemand mir Geld leihen würde, damit ich meine Lebensgefährtin bestatten lassen kann wie es sich gehört."

Sogleich gesellte sich ein schwarzer Herr zu ihm, als wäre er plötzlich aus der Erde hervorgekommen.

"Warum bist du so betrübt, lieber Freund," fragte er liebenswürdig.

Der arme Mann erzählte ihm von seinem Kummer und sagte, er wisse niemand, der ihm Geld leihen könnte.

"Ich könnte dir Geld geben," sagte der Herr, "aber wann könntest du es mir zurückgeben?"

"Nach einem Jahr, Herr, werde ich es ihnen ehrlich zurückzahlen," antwortete froh der arme Mann.

"Gut. Warte hier ein Weilchen auf mich, ich werde gleich das Geld holen."

Der Herr eilte davon, und kehrte nach kurzer Zeit mit einem Sack voll Gold und Silbergeld zurück. Er übergab es dem armen Mann, der darüber sehr erschrocken war und sagte: "Verehrter Herr, ich brauche nur ein wenig Geld. Einen solchen Reichtum aber kann ich nicht annehmen, denn ich weiß nicht, wo ich es verwahren sollte."

"Nimm nur," ermunterte ihn der Herr, "bestatte deine Frau, gib das Geld ruhig aus, genieße die Freuden dieser Welt. Das Geld kannst du mir dann nach zehn Jahren an derselben Stelle und am Abend des gleichen Tages zurückgeben."

Der Mann nahm das Geld entgegen, und der Geldleiher eilte davon. Der Mann, der ihm das Geld geliehen hatte, war der Teufel selbst. Er hatte ihm nur deshalb so viel Geld gegeben, weil er hoffte, dass er jetzt ein verschwenderisches Leben in Saus und Braus beginnen und Gott vergessen würde, wie viele Reiche es tun. Dann würde er ihm nach zehn Jahren die Schuld nicht bezahlen können und der Teufel wäre seiner Seele sicher. Aber der Teufel hatte sich geirrt. Der Mann nahm nur so viel Geld aus dem Sack, wie er für die Bestattung seiner Frau benötigte. Den Rest vergrub er in seiner Hütte unter der Tenne, damit die Diebe es nicht stehlen konnten. Es kam ihm sonderbar vor, dass der Herr, der sich erst vor einigen Augenblicken zu ihm gesellt hatte, ihm gleich so viel Geld gegeben hatte. "Wer weiß, ob das ein ehrlicher Herr gewesen sein kann", dachte er. "Ob, es vielleicht nicht der Böse selbst gewesen ist, der mich in Versuchung führen wollte? Ich will doch versuchen, das geliehene Geld zu verdienen und die Schuld nach einem Jahr, wie ich versprochen hatte, zurückzuzahlen."

Nachdem seine Frau und das Kind beerdigt waren, blieb der Mann noch allein am Grabe zurück. Da sah er, dass auch ein alter grauhaariger Mann in der Nähe stand.

"Bleibe auch weiter gottesfürchtig, armer Mann, " sagte er, "ich habe gesehen, wer das war, der dir das Geld geliehen hat.

Bis jetzt bist du sehr vernünftig mit dem Geld umgegangen. Der Böse hat dir deshalb so viel Geld gegeben, weil er dich in Versuchung führen und deine Seele gewinnen wollte. Bleibe gottesfürchtig und verschwende nicht das geliehene Geld, sondern zahle es nach einem Jahr an dem vereinbarten Abend dem Geber zurück, dann wirst du sehen, dass Gott dir helfen wird."

Nach diesen Worten ging der Grauhaarige, der Gott selbst war, davon. Der arme Mann lebte gottesfürchtig und rührte das Geld des Bösen nicht an. Das Geld, das er für die Beerdigung aus dem Sack entnommen hatte, verdiente er nach und nach und legte es wieder in den Sack des Teufels zurück.

Als das Jahr um war, trug er an dem vereinbarten Abend den Geldsack zum Seeufer, aber unterwegs brach ein Unwetter los. Blitze zuckten in der Luft. Der Mann stellte sich am Seeufer hin und wartete auf den Geldgeber, um ihm das Geld zurückzugeben. Auf einmal sah er, dass jemand seinen Kopf aus dem Wasser hervorstreckte und ihm zurief: "Komm morgen abend wieder, denn du siehst ja, dass ich jetzt nicht aus dem See kommen kann!"

Aber in demselben Augenblick erdröhnte ein furchtbarer Donnerschlag. An der Stelle, wo der Kopf aus dem Wasser hervorgetaucht war, schwappte das Wasser hoch in die Luft, begleitet von schwarzem und übelriechendem Rauch. Der Mann erschrak so sehr, dass er sich nicht mehr von der Stelle bewegen konnte. Dann erschien aber derselbe Grauhaarige, dem er vor einem Jahr am Grab seiner Frau begegnet war. Er kam auf ihn zu und sagte: "Du hast ja gesehen, dass der Blitz den Mann, der dir das Geld geliehen hatte, soeben erschlagen hat. Jetzt gehört das Geld dir. Geh damit vernünftig um und hilf denen, die der Hilfe bedürfen." Nachdem der Alte so gesprochen hatte, verschwand er.

Der Mann schleppte den Geldsack wieder nach Hause, kniete sich hin und dankte Gott. Das Unwetter hat sich bald wieder verzogen.

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