Sonne, Mond und Regenbogen

From Pasakas un teikas
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Es lebte einmal ein alter Mann, dem es an nichts mangelte. Aber er hatte den einen Kummer, dass er allein war und niemand hatte, mit dem er plaudern oder mit dem er sein Leid teilen konnte. Der Alte ging jeden Tag in die Kirche und betete; er war ein guter Mensch und alle Leute mochten ihn gern. In früheren Zeiten waren die Winter sehr kalt und die Nächte sehr dunkel. Der Alte saß am Tisch und betete und hörte auf einmal, dass irgendwo ein Kind weinte. Er öffnete die Tür: draußen stand ein kleiner Junge und bat ihn ums Nachtlager. Der Alte ließ den Jungen herein und fragte, woher er komme. Der Junge erzählte, dass seine Stiefmutter ihn aus dem Haus gejagt habe. Der Alte behielt den Jungen in seinem Haus und erzog ihn wie sein eigenes Kind. Der Junge lebte bei dem Alten und wuchs wie eine Gartenblume heran: nicht täglich, sondern stündlich. Der Alte betrachtete den Jungen und freute sich. Als der Junge umherlief, leuchteten seine Haare wie Sonnenstrahlen. Der Alte liebte den Jungen sehr, und der Junge war so lieb und gut, wie man keinen zweiten auf dieser Welt finden kann. Die Zeit verging. Es kam ein böses Hungerjahr: viele Leute mussten sterben, weil sie nichts zu essen hatten. Der Junge wusste es, und als der Alte ihm etwas für die Anderen gab, besuchte er sie und brachte es ihnen. Der Alte verteilte alles, was er hatte, an Bettler und arme Leute, aber schließlich waren sie selbst ohne Brot geblieben. Der Junge begriff, dass sie nun großen Kummer hatten: Weder hatten sie selbst etwas, noch konnten sie anderen etwas geben. Da begann er zu überlegen, wie er für sie selbst und auch für andere etwas zu essen beschaffen könnte. Während der Junge noch überlegte, kam ein altes Mütterchen an und bat ihn, ihr etwas zu essen zu geben. Der Junge antwortete: "Ich habe nichts mehr, als nur das Hemd, das ich am Leibe trage." "Schneide deine goldenen Haare ab, ich werde daraus ein Gewebe anfertigen", sagte das alte Mütterchen. Jetzt vergoss der Bursche zum ersten Mal in seinem Leben Tränen, aber er schnitt seine goldenen Haare ab und reichte sie dem alten Mütterchen, indem er sagte: "Nimm es und geh mit Gott!" Da bat das alte Mütterchen, gleich in der Stube weben zu dürfen. Der Bursche gestattete es ihr. Zu seiner großen Verwunderung webte das Mütterchen aus seinem Haar ein großes goldenes Betttuch. Als das Betttuch fertig war, hieß sie den Burschen, sich in das Tuch zu wickeln. Er tat es. Als der alte Mann den Burschen sah, der das Goldene Betttuch um sich geschlungen hatte, sprach er: "Ich segne dich, mein Söhnchen und wünsche dir, dass das Lächeln dein Gesicht nicht verlassen möchte. Nachts wirst du wandern müssen und dein Name soll der Mond sein!" Vor Aller Augen begann der Bursche sich gegen den Himmel zu erheben, er war froh und lachte. Als der Bursche in den Himmel gekommen war, schaute er zur Erde hinab und lächelte, und seit der Zeit sehen wir ihn am Himmel, wo er als Mond strahlt und lächelt.

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