Die Mutter der Gewässer

From Pasakas un teikas
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In einem dunklen Hain auf dem Grund des Ilmjerva-Gutes, Gemeinde Ancene, entspringt eine Quelle, die ihr Wasser weiter bis zum Vēanda-Fluss strömen lässt. Im Altertum hielten die Menschen den Fluss für heilig, und niemand, der nicht den Zorn der Götter auf sich herabbeschwören wollte, durfte weder die Eschen, die an den Ufern des Flusses standen, anrühren, noch auch nur ein Blättchen abpflücken. Den Ruhm des heiligen Flusses hatten die Esten auch den Letten überbracht. Die Esten nennen diesen Fluss Piihajögi, die Letten den Heiligen Fluss. Die Leute glaubten, dass in dem Fluss ein Gott lebe, der die Macht habe, Regen oder Trockenheit — fruchtbare oder Hungerjahre zu schicken, oder die Leute mit verschiedenen Seuchen zu schlagen, deshalb müsse man sich hüten, den Flussgeist zu erzürnen, vielmehr müsse man ihn durch Opfergaben sich wohlgesinnt erhalten. Wenn die Menschen wünschten, dass es regnen sollte, so brachten sie dem Flussgott eine Opfergabe; wollten sie jedoch Trockenheit, so mussten sie das Flussbett und die Quelle von Schlamm und anderem Schmutz reinigen. Wer von den heiligen Bäumen am Flussufer auch nur einen Zweig abbrach, der musste sterben.

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