Die Feuer-Mutter

From Pasakas un teikas
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Comments: Es ist wohl richtig, dass der Kesselhaken verehrt wurde, aber dass man ihn den Feuergott nannte, ist eine willkürliche Verdrehung. P. Š.


In alter Zeit, als die alten Letten aus Maliena noch keine Feuersteine kannten, hüteten sie das Feuer als ihr kostbarstes Gut, indem sie die glühenden Kohlen mit Asche zu deckten. Als Feuergott und Hüter des Feuers verehrten sie den Haken, an dem der Kessel hing.

Als sie sich der Feuerstelle (dem offenen Herd) näherten, sangen sie:

"Die Feuerstelle raucht,
die Feuerstelle raucht,
wer lässt den Rauch von der Feuerstelle auf steigen?
Der Kesselhaken an der Feuerstelle,
der hält das Feuer in der Hand.
Wo sollten wir nur das Feuer hernehmen,
wenn der Kesselhaken es nicht bewachen würde.
Guten Morgen, lieber Kesselhaken,
guten Morgen, lieber Kesselhaken!"

Jeder, der sich der Feuerstelle näherte, berührte mit der Hand den Kesselhaken und sprach: "Guten Morgen, lieber Kesselhaken!" Nachdem er Feuer bekommen hatte, bedankte er sich: "Hab Dank, lieber Kesselhaken, hab Dank!" Derjenige, der den Kesselhaken nicht berührte und sich bei ihm nicht bedankte, bekam kein Feuer. Der Feuergott aber rächte sich, indem er den Säumigen mit einer bösen Krankheit schlug, an der so mancher gestorben ist.

Eine Kultstätte des Feuergottes befand sich im Dorf Vilki des Zeltiņi Gutes. An der Feuerstelle eines Bauern befand sich dort ein sehr alter, vom Rauch geschwärzter Kesselhaken. Die Leute verehrten den Kesselhaken und begrüßten ihn jeden Morgen mit einem Lied. Deshalb ging das Feuer an der Feuerstelle nie aus, und Leute von anderen Bauernhöfen kamen und holten sich Feuer. Als jedoch die Alten Leute verstarben, verstanden die Jungen nicht mehr, den Feuergott zu ehren, das Feuer ging aus und ließ sich nicht mehr anmachen. Der Bauer riss die alte Herdstelle ab und warf den alten Kesselhaken neben den Zaun hin. Aber da wurde der Bauer so krank, dass er glaubte, sterben zu müssen: furchtbare Bauchschmerzen brannten in seinem Leib. Man holte die Līze von Kalnu rija (rija = Korndarre), man holte auch die Ilze von Puntuži, die ihm den Leib rieben und ihn nach bestem Können behandelten, aber es wurde und wurde nicht besser. Als nun Andrs von der Lejas rija eines Tages zur Nachthütung reiten wollte, erblickte er am Zaun etwas, das funkelte. Er ritt näher, um es zu betrachten, und erblickte ein winzig kleines Männchen mit gekrümmtem Rücken, mit einem ergrauten Bart, mit schwarzem Gesicht und roten Augen. Das Männchen drohte Andrs mit der Faust. Andrs erschrak und fiel vom Pferd. Keuchend lief er ins Haus und erzählte, was er gesehen hatte. Alle eilten hinaus, sahne aber weder Feuer noch das alte Männchen. Nur der alte Kesselhaken lag an der Stelle. Erst jetzt fiel es der Puntužu-Ilze ein, dass man die Gottheit verärgert haben musste. Sie nahm den alten Haken, brachte ihn ins Haus und hing ihn über der Feuerstelle auf. Und siehe da, am nächsten Morgen, war der Bauer gesund wie ein Rettich und das Feuer brannte so fröhlich, dass Rauch wie eine Säule von der Feuerstelle aufstieg.

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