Der Haus-Herr

From Pasakas un teikas
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Früher gab es verschiedene Hausgeister, denen Opfer gebracht wurden. Auf dem Tuteni-Hof der Gemeinde Kalsnava befand sich zum Beispiel ein Bienenstock, in den man die den Geistern zugedachten Opfergaben tat. Besonders wurde darauf geachtet, dass die Geister als erste eine Kostprobe davon bekamen, was in jenem Jahr zum ersten Male genossen wurde. Tat man es nicht, so war ein Unglück zu erwarten. Aber in der neueren Zeit wollte einer der Tuteni-Bauern die Hausgeister loswerden. Er holte aus Jēkabpils (Jakobstadt) sieben Pfarrer, die ihn von den Geistern erlösen sollten. Die Pfarrer trugen den Bienenstock aufs Feld hinaus und verbrannten ihn. Aber kaum waren die Pfarrer fort, da waren die Hausgeister wieder auf den Beinen und gaben den Leuten keine Ruhe. Da lief der Bauer wieder zu den Pfarrern, um Rat zu holen. Die Pfarrer sagten: "Sie werden euch noch ein ganzes Jahr lang keine Ruhe geben. Bald werden sie als Bären oder Wölfe, bald als Hähne auf dem Tuteni-Hof sehen, aber rührt sie um Gottes willen nicht an und redet kein Wörtchen mit ihnen, dann wird es ihnen selbst langweilig werden und sie werden fortziehen."

Es geschah, wie die Pfarrer er vorausgesagt hatten: Als das Jahr um war, da zeigte sich auf dem Tuteni-Hof kein Hausgeist mehr.

Auch auf dem Rutuļi-Hof der Gemeinde Lauteri wurde früher geopfert. Besonders am Morgen des St. Georgs-Tags durfte niemand aufstehen und kein Fremder durfte den Hof betreten, bevor der Bauer und die Bäuerin in aller Frühe einen schwarzen Hahn geschlachtet und sein Blut in die Tröge der Pferde geschüttet hatten. Das Eingeweide des Hahnes wurde unter einen großen Stein neben dem Stall geschoben der Hahn selbst wurde auf der Feuerstelle des Hauses gebraten oder gekocht. Erst nachdem das alles verrichtet war, weckte der Bauer das Gesinde.

Am Morgen eines St.Georgs Tages jedoch, bevor der Bauer noch die Opferarbeit verrichtet hatte, kam sein Nachbar an und forderte den Bauern auf, zusammen mit ihm zum Markt nach Ļaudona zu fahren. Der Bauer dachte sogleich: das wird nicht gut gehen. Aber er sagte nichts. Kaum waren sie fort, da hatten sich auch schon zwei Pferde im Stall losgerissen und weg in den Wald. Man suchte nach ihnen den ganzen Tag, aber sie waren nirgends zu finden. Auch dem Bauer selbst war es auf dem Markt nicht gut ergangen; auf dem Heimweg aber geriet er in der Nähe des Bērzaune-Friedhofes in eine wahre Bedrängnis: verschiedene Gespenster verstellten ihm den Weg und erschreckten ihn fast zu Tode. Es blieb ihm nichts anderes übrig: er kehrte in das Bērzaune-Wirtshaus ein um dort zu übernachten. Zum Glück konnte er am nächsten Morgen heil und gesund nach Hause zurückkehren und fand schließlich auch seine fortgelaufenen Pferde wieder.

Am St.Georgs Tag durften auch die Leute vom Hausgesinde, die den Bauern nicht wechselten, den Hof nicht verlassen.

Einmal ist eine Frau, die noch ein zweites Jahr bei demselben Bauer blieb, mit Absicht zum Nachbarhof gelaufen, um einen Besuch abzustatten. Nicht lange, da kam der Mann ihr nachgelaufen: die Kuh sei sehr krank und werde wohl gleich verenden. Da eilte die Frau heim — und siehe da, die Kuh war gleich wieder gesund.

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