Der Haus-Herr

From Pasakas un teikas
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Vor etwa 50 Jahren konnte man noch in der Nähe des Dorfes Nagļi am Ufer des Flusses Pierdeja einen mächtigen Eichenstumpf sehen. Seit uralten Zeiten brachten die Bewohner an dem Tag, an welchem das Vieh im Frühjahr zum ersten Mal wieder auf die Weide getrieben wurde, Opfergaben an den Eichenstumpf. Sie brachten Milch, Butter, Fleisch, Brot, Käse, Wolle und andere Dinge. Als ein Flösser auf seinem Floß in einem Frühjahr die Pierdeja hinabfuhr, sah er, dass ein Weiblein nach dem anderen aus dem Dorf an den Eichenstumpf kam und dort etwas hinlegte. "Warte!" Dachte der Flösser, "ich will doch nachsehen, was sie dort hingelegt haben." Der Flösser hielt sein Floß an. Als er sah, dass keine Weiblein mehr aus dem Dorf kamen, ging er an den Eichenstumpf und sah, dass auf ihm Butter, Käse, Fleisch und Brot aufgeschichtet waren. Der Flösser steckte alles in den Sack und fuhr auf seinem Floß davon. Die Leute des Dorfes trieben ihre Kühe zur Hütung. Die Kühe grasten im Eichenhain. Es wurde Mittagzeit, die Hirten wollten die Kühe nach Hause treiben, aber sie liefen nur tiefer in den Wald hinein. Alle Leute des Dorfes kamen herbeigeeilt, um den Hirten zu helfen, das Vieh nach Hause zu treiben, aber vergeblich: die Kühe biesten und brüllten und benahmen sich wie verrückt, ohne im geringsten auf die Menschen zu hören. Die Leute überlegten, was das wohl zu bedeuten hätte. Dann begaben sie sich an den Eichenstumpf. Zu aller Verwunderung waren die Opfergaben von dem Eichenstumpf verschwunden. Die Frauen eilten nach Hause, holten alle Milch, die sie zu Hause hatten und brachten sie an die Eiche. Sobald sie die Opfergaben hingelegt hatten, wurden die Kühe auf einmal gesund und ruhig und ließen sich nach Hause treiben. Als der Pfarrer L. erfuhr, dass die Bewohner des Dorfes fremden Göttern (Götzen) opferten, kam er herbeigefahren, schalt die Bewohner des Dorfes aus, weihte das Dorf und befahl den Eichenstumpf in Brand zu stecken. Laut knisternd ging der Eichenstubben in Flammen auf, der Donner grollte und die Menschen sahen verschiedene Wunderzeichen. Mit Furcht warteten die Bewohner des Dorfes darauf, was nun geschehen würde, wenn der große Eichenstubben verbrannt sein würde. Nachdem der Stubben verbrannt war, hörten die Bewohner des Dorfes auf, den Göttern zu opfern.

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