Schicksalsgöttin, Glücksgöttin

From Pasakas un teikas
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Comments: Vgl. Märchen über die vorbestimmte Braut (Nr. 51 Bd. X) und über den vorbestimmten Schwiegersohn (Nr. 49 Bd. X). P. Š.


Eine Knechtsfrau gebar ein Töchterchen. Bei der Geburt des Mädchens stand die Schicksalsgöttin hinter der Badstubentür und bestimmte den Lebensweg des Töchterchens. Die Hebamme hatte die Worte der Schicksalbestimmerin gehört. Sie kam herein und erzählte der Mutter, ihr Töchterchen sei für den Sohn des Hofbauern bestimmt. Aber auch der Bauernsohn, der damals acht Jahre alt war, befand sich in der Badstube und belauschte das Gespräch.

"Ich werde eine solche schwarze Dohle aber nicht heiraten!," Rief er aus und lief hinaus.

Das Mädelchen wuchs und gedieh und war schon fünf Jahre alt. Auch der Bauernsohn war schon fast herangewachsen. Einmal schlug er dem Knechtstöchterlein absichtlich den Kopf ein: es sollte sterben, damit er, es nicht heiraten musste. Denn er hatte die Worte der Hebamme noch nicht vergessen.

"Jetzt bin ich sie los," dachte der Bauernjunge. Das Mädchen starb jedoch nicht, sondern genas. Es hatte eine so große Narbe auf dem Kopf, dass es sie für das ganze Leben behielt. Danach wurden sie von der Schicksalsbestimmerin (Schicksalsgöttin) getrennt. Der Bauernsohn wusste nicht, wo die Knechtstochter lebte, und auch sie wusste nicht mehr, wo sich der, ihr bestimmte, Bauernsohn befand.

Der Bauernsohn war schon ein erwachsener Mann, seine Eltern lebten nicht mehr. Er zog in die Stadt und ließ sich dort nieder. In der Stadt lernte er ein schönes Mädchen kennen. Sie verliebten sich in einander und heirateten. Einmal sagte die junge Frau: "Kraule mir ein wenig den Kopf, es juckt mich so."

Der Mann begann der Frau den Kopf zu kraulen und bemerkte die große Narbe. "Was ist denn das für eine Narbe, liebe Frau?" Fragte er. Da erzählte die junge Frau, sie habe es von ihren Eltern gehört, dass die Schicksalsgöttin sie einem Bauernsohn zur Frau bestimmt hatte. Darüber sei der Bauernsohn so böse geworden, dass er ihr den Kopf eingeschlagen habe, um sie zu töten. Davon habe sie noch heute die Narbe.

"Dann ist es ja mein Werk," sagte der Mann. Und so war es auch.

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