Schicksalsgöttin, Glücksgöttin

From Pasakas un teikas
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Der Sohn eines reichen Mannes klagte stets darüber, dass er nicht glücklich sein könne. Der Vater übergab ihm ein Schloss und sehr viel Geld, aber das alles half nichts. Schließlich beschloss er in die Welt zu ziehen, um dort sein Glück zu suchen. Er ging und ging, bis er an eine Wegkreuzung kam. Lange dachte er darüber nach, welcher der beiden Wege ihn zum Glück führen könnte. Auf einmal gesellt sich zu ihm ein grauhaariges Mütterlein — es war die Glücksmutter Laime selbst — und fragt ihn: "Warum bist du so nachdenklich, Jüngling?"

"Ich bin ausgezogen, mein Glück zu suchen, aber nun weiß ich nicht, welchen der beiden Wege ich wählen sollte."

"Folge mir auf meinen Weg, dann wirst du es nie bereuen!"

Gut, er folgt ihr. Sie gehen und gehen bis zum späten Abend. Der Weg endet an einem ärmlichen Hüttchen.

"Nun, Jüngling, du bist es wohl nicht gewohnt, in einer solchen lumpigen Hütte zu übernachten?"

"Mir ist es gleich, ob ich in einem Schloss oder in einer lumpigen Hütte übernachte!"

"Nun gut, dann gehen wir hinein!"

Sie gehen hinein: das Hüttchen ist gar zu ärmlich. Ein alter Mann empfängt die Gäste und heißt sein Töchterlein, schön wie ein Röschen, für das Abendbrot zu sorgen. Das Mädchen bringt Grütze, die aus Kiefernrinde im Wasser gekocht ist, auf den Tisch, dazu Brot, gebacken aus Tannenharz und gemahlener Kiefernrinde. Dann bittet sie die Gäste an den Tisch. Beim Essen fragt die Alte den Jüngling: "Nun, ekelt dich dieses Essen nicht an?" "Was soll ich mich davor ekeln: Nahrung bleibt Nahrung. Aber die Wirtin ist schön und bleibt schön!"

Am nächsten Morgen war die Alte verschwunden, aber nun kannte der Jüngling selbst den Weg: er hielt um das schöne Mädchen an, heiratete es und lebte so glücklich, dass er es nie mehr nötig hatte, in die Welt zu ziehen, um sein Glück zu suchen.

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