Schicksalsgöttin, Glücksgöttin

From Pasakas un teikas
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Einem Bauer war das Pferd verendet. Er suchte seine letzten Groschen zusammen und begab sich zum Markt, ein neues Pferd zu kaufen. Auf dem Markt gab es genug Pferde, aber keines war so billig, dass er es mit seinem Bisschen Geld hätte kaufen können. Es wurde Abend, der Bauer war sehr betrübt: er hatte kein Pferd bekommen. Da gesellte sich zu dem betrübten Bauer ein altes Weiblein, das zu ihm sprach: "Sorge dich nicht! Du willst ein Pferd kaufen, dabei wirst du nach deiner verschwundenen Schwester suchen, und das wird dir Glück bringen."

Die Alte verschwindet, und der Bauer macht sich auf den Heimweg, um nicht von der Nacht überrascht zu werden. Unterwegs gesellt sich ein anderes altes Weib zu ihm. Dieses Weib war eine Hexe. Sie hatte bereits sein Pferd verhext. Sie schlägt die Hände zusammen, eilt dem Bauer entgegen und ruft aus: "Ach Brüderchen, woher kommst du denn? Ich bin ja dein verschwundenes Schwesterchen! Wie gut, dass wir uns endlich begegnet sind! Komm mit und übernachte bei mir. Ich habe schon davon gehört, dass dein Pferdchen verendet sei. Da du den weiten Weg zu Fuß zurücklegen musstest, wirst du gewiss müde sein!"

Der Bauer glaubt ihr und geht mit. Die Hexe macht ihm ein Lager auf dem Stallboden und beschließt in ihrem bösen Herzen, den Bauer umzubringen, um auch noch in den Besitz des wenigen Geldes zu gelangen, mit dem er ein neues Pferd kaufen wollte. Sie bereitete das Lager neben einer verborgenen Luke. Sobald nur der Bauer in der Nacht sich auf die andere Seite drehte, öffnete sich die Luke, und der Schläfer fiel in eine tiefe Höhle, gerade auf drei Teufel, die sich dort befanden. Die Teufel packten ihr und schleiften ihn zum Friedhof, damit er ihnen helfe, das Leichenhaus auszurauben. Die Teufel banden den Bauer an einem Strick und ließen ihn in das Gewölbe hinab, indem sie sagten: "Gestern hat der König hier seine Tochter bestattet. Sie muss viele goldene Ringe an den Fingern haben, zieh sie ab und bringe sie uns!"

Der Bauer kam glücklich in das Gewölbe hinunter, aber es w­iderstrebte ihm, einen Leichnam auszuplündern. Er überlegt rasch und spricht dann: "Wir sind zu spät gekommen. Es sind schon andere vor uns da gewesen, die alle Ringe abgezogen haben!"

Eine solche Antwort hatten die Teufel nicht erwartet. Empört schlagen sie die Kellertür zu und lassen den Bauer in dem Gewölbe zurück.

Jetzt ist der Ärmste in noch größerer Not als jemals zuvor. Auf einmal hört er: es kommen wieder drei Teufel, Ringe zu stehlen. Sie binden einen Teufel an einen Strick und lassen ihn in das Kellergewölbe hinab, damit er die Ringe stehlen kann. Dem Bauer zittern die Beine: wenn sie ihn nur nicht bemerken! Während der Teufel an dem Strick hinabgleitet, schlägt der Bauer die Hände zusammen und kräht wie ein Hahn. Eilends ziehen sie ihren Kameraden wieder heraus und ergreifen die Flucht. Die Kellertür bleibt offen. Das Geld, gut drei Lof, lassen sie auf dem Friedhof zurück. Der Bauer knotet den Strick zu einer Schlinge, wirft die Schlinge um die Klinke der Kellertür und klettert hinaus. Am nächsten Morgen kauft er sich ein neues Pferd. Dreimal musste er zum Friedhof fahren, um das Geld der Teufel heimzubringen.

Also hatte das Glücksmütterchen recht gehabt.

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