Schicksalsgöttin, Glücksgöttin

From Pasakas un teikas
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In der Gemeinde Stende befindet sich ein großer Stein, an dem es schon oft gespukt hat. Der eine hat dort das, der andere etwas anderes gesehen, aber über den Stein selbst erzählt man folgende Geschichte:

Zwei Frauen, Grieta und Anna, begaben sich zur Kirche. Der Himmel war bewölkt und jeden Augenblick konnte man einen Regenguss erwarten. Die Frauen beeilten sich, um dem Regen zu entgehe.

Die sonst so fröhlichen Frauen waren schweigsam und hatten ein schweres Herz, als würden sie etwas Schlimmes vorausahnen.

Anna blieb stehen, um nach der Regenwolke zu schauen. Da stieß sie einen Angstschrei aus: eine große graue Wolke war so tief über ihrem Kopf, dass man sie mit der Hand berühren konnte. In ihrer Angst begann Anna zu laufen. Nach einer Weile sah sie sich nach Grieta um, deren Schritte sie nicht hörte.

Sie rieb sich die Augen, aber sie konnte Grieta nicht erblicken. Am Straßenrand lag ein großer grauer Stein, der dort vorher nicht gelegen hatte, und die große dunkle Wolke war ebenfalls verschwunden.

Plötzlich — woher er kam, woher nicht — gesellte sich ein grauer Mann zu Anna und sprach: "Warum schreist du und wunderst dich, das ist doch ihr Schicksal, und sie selbst hat es verschuldet. Sie hätte heute morgen, als sie zur Kirche ging, nicht daran denken sollen, dass sie Gott bitten wollte, ihr nach dem Tode ein steinernes Kreuz für ihr Grab zu schenken. Nun ist ihr Wunsch in Erfüllung gegangen."

Nachdem der Mann so gesprochen hatte, verschwand er. Anna, aber eilte zur Kirche und betete zu Gott, wobei sie ihn anflehte, ihre Wünsche nicht auf eine so grausame Art zu erfüllen, wie das bei Grieta geschehen war.

Als die Sache den Leuten zu Ohren kam, machten sie gern einen Umweg um den Stein und rührten ihn nicht an. Der Stein liegt noch immer unberührt da und ist mit einer dicken Schicht Moos bewachsen.

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