Schicksalsgöttin, Glücksgöttin

From Pasakas un teikas
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Eine Bettlerin küsste der Baronin nie die Hand, wenn sie eine milde Gabe bekam, ja, sie sagte nicht einmal "danke schön". Sie sprach nur: "Alles, was Ihr auch tut, Frau Baronin, tut Ihr für euch selbst: Tut Ihr Gutes — so ist es für euch selbst, tut Ihr Böses, so tut Ihr es euch selbst an."

Da dachte die Baronin: "Vielleicht ist das Geschenk zu klein." Sie kaufte ein Kleid und schenkte es der Bettlerin. Aber die Bettlerin sagte dasselbe wie vorher. Nun wurde die Baronin zornig und beschloss sich wegen einer solchen Undankbarkeit an der Bettlerin zu rächen: sie wollte sie vergiften. Sie ließ einen Brotlaib backen um ihn der Bettlerin zu schenken. Die Baronin vergiftete das Brot und gab es der Bettlerin, als sie eines Tages wiederkam. Die Bettlerin sagte wieder denselben Spruch: "Was Ihr auch tut, liebe Frau Baronin, Ihr tut es für euch selbst: Tut Ihr Gutes, so tut Ihr es für euch selbst, tut Ihr Böses, so tut Ihr es euch selbst an."

Unterwegs begegnete die Bettlerin dem Sohn der Baronin. Er hatte sich auf der Jagd verirrt und hatte seit drei Tagen nicht mehr gegessen. Der junge Herr fragte die Bettlerin, sie möchte ihm zu essen geben, wenn sie etwas Essbares bei sich hätte. Die Bettlerin schlug seinen Wunsch nicht ab und reichte ihm den Brotlaib, den seine Mutter ihr geschenkt hatte, Der junge Herr war sehr glücklich darüber und wollte es der Bettlerin vielfach vergelten. Heißhungrig beginnt der junge Herr zu essen, aber bald fällt er krank zu Boden und verstirbt kurz darauf. Die Bettlerin eilt aufs Gut zurück und berichtet der Baronin, welches Unglück ihrem Sohn zugestoßen sei. Erst jetzt verstand die Großfrau die Worte der Bettlerin: "Alles, was Ihr tut, tut Ihr für euch selbst: Tut Ihr Gutes, so ist es für euch selbst, tut Ihr Böses, so fügt Ihr es euch selbst an."

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