Schicksalsgöttin, Glücksgöttin

From Pasakas un teikas
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Der Knecht Ješka verliebte sich in die reiche Bauerntochter Anna. Eines Tages sprach er zu ihr: "Höre, Anna (hier Koseform Aņņuks), ich weiß es selbst nicht, aber Gott weiß es, wie sehr du mir gefällst und dass ich dich von ganzem Herzen liebe. Ich würde dich gern heiraten, wenn dein Vater damit einverstanden wäre, aber er wird es wohl nie zulassen, denn du bist reich und ich bin arm. Und was meinst du selbst, würdest du meine Frau werden wollen?"

"Nun, du bist ein guter Bursche und ein prächtiger Mensch und du gefällst mir recht gut, deshalb hätte ich auch nichts dagegen, dich zu heiraten. Sprich nur mit meinem Vater."

"Nein, nein, das wage ich nicht!", Antwortete er.

Einmal schickte sich Anna an, aufs Feld zu gehen. Sie vereinbarten, dass Ješka ihr am Abend ein Stück Weges entgegen gehen solle. Nun, er macht sich in der Dämmerung auf den Weg, begegnet seiner Liebsten und freut sich, mit ihr sprechen zu können, aber gleichzeitig ist er betrübt, denn er hat keine Hoffnung sie zur Frau zu bekommen, weil er so arm ist. Betrübt und nachdenklich kehren beide heim. Nicht weit vom Hof stößt Ješka mit dem Fuß gegen etwas Hartes. Er tastet danach und findet eine schwere Kiste. Er untersucht die Kiste gut und findet darin zehntausend Goldrubel.

Nun begibt er sich mutig zu Annas Vater und spricht zu ihm "Lieber Vater! Ich liebe Euer Ännchen. Bis jetzt war ich bettelarm, deshalb wagte ich nicht, bei euch um ihre Hand anzuhalten, aber jetzt bin ich reich, denn Gott selbst hat bestimmt, dass ich eine ganze Kiste voll Geld finden sollte. Ich bitte euch, mir Ihre Tochter zur Frau zu geben."

Der Vater antwortete darauf: "Dass ihr beide euch gern habt und heiraten wollt, das will ich euch gar nicht verbieten, aber jetzt könnt ihr noch nicht heiraten, denn das gefundene Geld gehört dir noch nicht. Lass ein Jahr und sechs Wochen vergehen und lass den Pfarrer es von der Kanzel anzeigen: sollte sich dann niemand finden, der auf das Geld Anspruch erhebt, so wirst du es behalten können."

Ein Jahr und sechs Wochen vergingen, aber niemand meldete seinen Anspruch auf das Geld an. Ješka und Anna feierten Hochzeit und kauften sich für das gefundene Geld ein kleines Gut, auf dem sie wie Herren lebten. Mit der Zeit wurden ihnen drei Kinder geboren, die ihnen viel Freude und viel Glück brachten.

Zehn Jahre später fuhren zwei Herren in der Postkutsche die Landstraße entlang. Als sie zu der Stelle kamen, wo Ješka damals die Geldkiste gefunden hatte, brach die Wagenachse. Da sagte der eine Herr: "Dies ist eine wahre Unglücksstelle. Als ich vor zehn Jahren hier entlangfuhr, war dem Wagen der Boden eingebrochen und eine Geldkiste mit zehntausend Rubeln herausgefallen."

Ješka, der nicht weit von der Stelle entfernt auf seinem Feld stand, hatte das Gespräch der Herren belauscht. Er ging auf die Herren zu und lud sie auf sein Gut ein, bis der Kutscher den Wagen in Ordnung gebracht haben werde. Er nahm sie liebenswürdig auf und bewirtete sie gut, und die beiden Herren wunderten sich über seine geschickte Frau und seine manierlichen Kinder. Nach dem Mahl lud Ješka sie zu einem Spaziergang ein und bat sie, ihre Felder zu betrachten.

"Wieso denn unsere Felder?" Fragten sie. "Dieses Gut gehört doch Euch und das sind Eure Felder!"

"Nein, gnädige Herren, so verhält es sich nicht. Das Geld, mit dem ich mein Gut gekauft habe, gehört Euch, ich habe es vor zehn Jahren auf der Straße gefunden — dort, wo ihr es verloren habt."

Die Herren konnten sich nicht genug wundern über das gute Herz und die Redlichkeit von Ješka. Sie sagten, sie wüssten nicht mehr, ob sie mit Menschen oder mit Engeln zu tun hätten. Da sprach der eine Herr: "Seht, ich musste weit übers Meer fahren, um einen großen Prozess zu führen, der ein gutes Ende nahm. Heute bin ich noch viel reicher als damals. Weil, ihr ein redl­icher Mann seid, der fremdes Eigentum nicht verheimlichen will, sondern es anzeigt, sollt ihr Euer Gut behalten und glücklich leben. Gott helfe euch!"

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