Die Kuh-Māŗa

From Pasakas un teikas
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Comments: J. Treus von Ēķengrāve schreibt: In der ersten Weihnachtsnacht (in der Heiligen Nacht) reden die Kühe. Sie erzähle einander, wer von ihnen verkauft werden soll, welches Glück oder welches Unglück der Bauer zu erwarten hat. Wenn jemand sich leise auf den Stallboden schleiche, so könne er ihre Gespräche belauschen.


Einmal (Umgebung von Jelgava, dt. Mitau), als das Vieh zum ersten Mal auf die Weide getrieben wurde, fädelte die Bäuerin alle Schlüssel, die im Hause vorhanden waren, auf einen roten Wollfaden. Die zusammengebundenen Schlüssel legte sie unter die Schwelle der Stalltür, über die, die Kühe treten mussten. Die Schlüssel sollten bewirken, dass die Kühe auf der Hütung ebenso zusammenblieben wie die zusammengebundenen Schlüssel. Der rote Faden sollte die Kühe vor der Roten Seuche (Blutfluss) bewahren. In anderen Gegenden pflegte man auch so zu tun: man trieb das Vieh auf die Koppel. Dann nahm der Hirte den Schlüsselbund, lief dreimal um seine Herde herum und warf dann die Schlüssel mitten unter das Vieh. Die Bäuerin hob den Schlüsselbund auf und ging nach Hause, der Hirte trieb das Vieh zur Hütung.

In Lielvārde (aufgeschrieben von M. Starķis) macht man so: Wenn das Vieh zum ersten Mal (im Frühjahr) ausgetrieben wird, läuft der Hirte mit einem Schlüssel in der Hand dreimal um seine Herde herum damit die Kühe beim Hüten beisammen bleiben. Oder, beim ersten Austreiben muss man von Zuhause eine Rute mitnehmen, sie den ganzen Tag mit sich herumtragen und am Abend hinter den Dachsparren stecken: Dann gehen die Kühe nicht verloren.

Am Jurģis-Morgen muss man die Kühe mit einem Badequast besprengen (mit einem Badequast, der am Sonnabend davor in der Badstube benutzt worden ist), dann bringen die Biesefliegen sie nicht zum Biesen. Vor dem Jurģis-Tag soll man Pferden keine Beinfesseln anlegen, sonst lahmen sie. Am Jurģis-Morgen muss man die Pferde noch vor dem Sonnenaufgang zur Schwemme bringen, dann werden sie von Bremsen in Ruhe gelassen. Am Morgen des Māŗa-Tages muss man noch vor dem Sonnenaufgang die Stube fegen, dann gibt es keine Flöhe. Am Morgen des Māŗa-Tages muss man ein Sieb aufs Dach legen, dann fallen keine Fliegen in die Milch. Am Morgen des Māŗa-Tages müssen die Mägde noch vor dem Sonnenaufgang das Gesicht waschen, damit sie beim Viehhüten nicht einschlafen. Wenn die Kinder am Morgen des Palmsonntags (im Lettischen: Weidekätzchensonntag) Reisig aus dem Wald holen, bevor die Sonne aufgegangen ist, dann finden sie beim Viehhüten viele Vogelnester. An den Fastensonntagen sollen sie es aber nicht tun, denn dann schleppt man Schlangen auf den Hof.

In der Weihnachtsnacht (Hl. Nacht) sollen die Knechte im Pferdestall übernachten und lauschen, was die Pferde miteinander sprechen. Am Weihnachtsabend (Hl. Abend) muss man mit Schlüsseln zweimal um den Bienengarten herumlaufen: Dann gedeihen und tragen sie gut.

In der Gegend von Jelgava hat man früher auf folgende Weise gehandelt: Wenn die Mägde sich am Weihnachtsabend (Hl. Abend) in den Stall begaben, um das Vieh zu versorgen, nahmen sie eine Flasche Branntwein und einen Fladen mit. Die Branntweinflasche stellten sie ans Ende der Krippe, den Fladen steckten sie hinter den Wand-Stützbalken. Am Morgen des ersten Weihnachtstages gossen sie beim Viehversorgen einige Tropfen Branntwein auf die Erde, einige Tropfen nahmen sie davon auch selbst, den Rest brachten sie ins Haus zurück. Den Fladen verteilten sie unter sich. Das alles wurde für die Gesundheit des Viehs getan. Manchmal stellten sie die Flasche neben die älteste Kuh hin; mitunter wurde Brot mit Kräutersud besprengt und mit dem Qualm eines brennenden Eschenscheites beräuchert (mit einem solchen Scheit wurden von den Imkern auch die Bienen beräuchert). Das Brot wurde an die Kühe verfüttert, damit ihnen nichts Übles zustoße. Am Abend wurde beobachtet, wie die Kühe sich zum Schlafen hinlegen würden: legten sie sich auf die linke Seite, so konnte man ein Kuhkälbchen erwarten, legten sie sich auf die rechte Seite, so würde es wohl ein Stierkälbchen werden.

Wenn ein Haustier bei dem Umzug am Jurģis-Tag nicht neben oder hinter der Fuhre laufen wollte, musste man einen kleinen Splitter vom Wagen abschneiden und dem Rind zwischen die Hörner legen, dann weigerte es sich nicht mehr zu laufen. Oder aber der Fahrer legte den Strick zwischen die Hörner und steckte eine Nadel in den Strick — da folgte das Rind sofort, man konnte so schnell fahren wie man wollte.

Zog man auf einen anderen Hof um, pflegte man dem Vieh auch Salz auf den Rücken zu streuen, damit es vor dem bösen Blick anderer geschützt wurde. Wenn man wollte, dass die Kuh an dem neuen Ort nicht weniger Milch gäbe, nahm man etwas Asche vom Herd, band sie in ein Läppchen und nahm es zum neuen Wohnort mit. Dort mischte man die Asche dem Getränk für die Kuh bei. Damit das Vieh nicht zu dem alten Hof zurücklief, begoss man es mit Wasser, wobei man das Begießen am Kopf begann. Wenn man keine krummbeinigen Lämmer haben will, dann muss man nicht am Abend vollgesponnene Spulen abwickeln.

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