Der Tod

From Pasakas un teikas
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Es lebte einmal ein armer Mann, der kein Land besaß, mit seiner Frau. Seine Frau war guter Hoffnung und gebar bald einen Sohn. Der Mann und die Frau waren über ihre Armut sehr unglücklich und wussten nicht, wie sie ihren Sohn großziehen sollten. Sie baten Gott, er möchte doch ihren Sohn wieder zu sich nehmen. Einmal kam der Tod, der schöne Kleider trug und sagte: "Ich will euch viel Geld geben, dann kann euer Sohn am Leben bleiben und heranwachsen."

Vater und Mutter zogen ihren Sohn auf, aber je größer der Sohn wurde, um so magerer wurde er — lauter Knochen. Alle Nachbarn sagten zu Vater und Mutter, ihr Sohn sehe wie der Tod aus und wenn jemand ihm in der Dämmerung begegnete, so bekam er Angst vor ihm. Alle Nachbarkinder fürchteten sich vor ihm und lehnten es ab, mit ihm zu spielen. Sobald sie ihn sahen, liefen sie schreiend nach Hause. Kein Kind spielte mit ihm. Eines Tages weinte der Junge bitterlich und fragte seine Mutter, warum alle vor ihm Angst hätten. Als die Mutter die Tränen ihres Sohnes sah, sagte sie nichts, aber sie fürchtete sich selbst vor ihm, sobald sie mit ihm allein in der Stube war. Oftmals — als niemand es hörte — flehte Mutter Gott an, ihren Sohn zu sich zu nehmen. Einmal war eine böse Krankheit in der Gegend ausgebrochen, an der, sehr viele Menschen starben. Da freute sich die Mutter und dachte, die Krankheit werde auch ihren Sohn fortraffen. Aber ihr Sohn wurde nicht krank. Der Vater erkrankte jedoch und starb kurz darauf. Als der Vater starb, stand der Sohn an seinem Bett und lachte. Die Mutter sah es, und der Vater tat ihr sehr leid, aber sie sagte nichts zu dem Lachen des Sohnes. Manchmal hatte die Mutter eine solche Angst vor ihrem Sohn, dass ihr die Haare zu Berge standen. Sie überlegte lange dann bat sie einen Nachbar, ihren Sohn zu erschlagen. Eines Nachts schlich der Nachbar in die Kammer des Sohnes und schlug ihn mit der Axt auf den Kopf. Der Sohn erhob sich, er war nicht verletzt. Er ergriff die Axt und erschlug den Nachbarn. Da bekam die Mutter noch mehr Angst. Die Leute in der Umgebung wussten alle, was die arme Witwe für einen Sohn hatte, und sie wollten ihr gern helfen. Einmal überredete die Mutter ihren Sohn, zusammen mit den Dorfburschen in den Wald zu fahren und Holz zu holen. "Gut," antwortete der Sohn und fuhr mit den anderen Dorfburschen in den Wald. Die Burschen führten den Sohn der Witwe sehr tief in den Wald und ließen ihn dort, während sie selbst eiligst nach Hause fuhren. Sie gingen zu der Witwe und sagten, ihr Sohn werde nicht wiederkommen. "Wir haben ihn im Walde gelassen."

Da wurde die Witwe sehr froh, seufzte erleichtert auf und legte sich schlafen. Kurz darauf kam eine fremde Frau und fragte die Witwe nach ihrem Sohn.

Die Witwe antwortete: "Es ist schon lange her, meine Liebe, dass er gestorben ist."

Die Frau kam an drei aufeinanderfolgenden Tagen und fragte die Witwe immer wieder, wo ihr Sohn sei. Und immer antwortete die Witwe: "Er ist schon vor langer Zeit gestorben, meine Liebe!"

Am vierten Tag kam der Tod mit einer Sense und sprach zu der Mutter: "Weil du gelogen hast, soll dir der Kopf abgehauen werden!"

Der Witwe rollte der Kopf von den Schultern und sie fiel tot hin. Der Tod war der Sohn der Witwe selbst, der von nun an durch die Welt zieht und alte und junge Menschen hinwegrafft.

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