Das Anschaffen des Drachen und seine Tätigkeit (Wirksamkeit)

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Comments: Nur das Vieh desjenigen Bauern, dem der Drache das Korn bringen wollte, soll das Korn nicht fressen. Andere erzählen wiederum, dass das Vieh desjenigen, der den Drachen zum Platzen gebracht hat, das Korn gern fresse. L. P.


Einmal bekam ein Bauer von einem Rigaer Kaufmann einen Drachen geschenkt, der die Gestalt eines verkohlten Holzscheites hatte. Ein anderer hatte wiederum einen Drachen gekauft, hatte an seiner Stelle aber nur ein altes Strickende gefunden, das er in den Straßengraben warf. Aber da erhob sich der Drache und flog — schwirrr! — nach Rīga zurück.

Der Drache bringt den Menschen Reichtum. Aber dafür muss der Mensch dem Drachen dienen und ihm seine Seele vermachen. Man dient dem Drachen auf folgende Weise: Das Beste, was man zu Hause hat — Honig, frisches Fleisch, Milch, Butter, Eier (am Karfreitag) — muss ihm geopfert werden, ehe man selbst davon genossen hat. Wer dem Drachen das Essen bringt, der muss einen weißen Pelz anziehen und das Essen in der Nacht auf den Korndarren- oder Kletenboden (Vorratshausboden) hinstellen. Sollte ihm unterwegs jemand begegnen und ihn fragen, wer dort komme, dann müsse man antworten: "Gott selbst mit vollen Händen!"

Wer einen Drachen hält, dessen Vorratshaus ist nie leer; sein Vieh gedeiht, Milch und Butter hat er in Überfluss; auch bestehlen kann man einen solchen nicht, denn er versteht es, den Dieb anzubinden — der Dieb kann nicht mehr fortkommen, sobald er etwas in der Scheune oder im Vorratshaus eines solchen Mannes gestohlen hat. Nur der Besitzer des Drachen kann den Angebundenen wieder freilassen.

Seit 30 Jahren habe in Vietalva auf dem Īvāni-Hof ein Mann gelebt, der einen Drachen besaß. Ein Bauer aus Vestiena hatte ihm Kerzen gestohlen. Ja, er habe sie gestohlen, aber am nächsten Tag brachte er sie weinend zurück: Man möchte seine Tochter retten! Sie habe ein Dreikopekenstück verschluckt, dass ihr in der Kehle steckengeblieben sei; auch sein Pferd sei verendet.

Der Īvāns habe erwidert: "Das soll dir eine Lehre sein!" Er ließ den Mann lange flehen, schließlich rettete er doch seine Tochter.

Wer einen Drachen besitze, dem tue es auch nicht weh, wenn er aufgrund eines Gerichtsbeschlusses geprügelt werde. An Stelle des, zu Prügelnden sei auf einmal ein Bündel da. Nur wenn schon beim ersten Schlag Blut aufspritze, finde sich kein Bündel an Stelle des Geprügelten.

Der Besitzer eines Drachens darf einen Gruß nicht erwidern. Wenn jemand ihn mit den Worten Grüße: "Gott helfe dir!" Dann soll er entweder schweigen oder darauf antworten: "Gott hilft mir schon!"

Nach dem Tode verwandele sich die Seele eines solchen Menschen in einen Drachen. Häufig werde er auch schon früh vom Blitz (hier: Pērkons) erschlagen.

Wer die Feindschaft eines Drachen auf sich gelenkt hat, der erlebt ein Missgeschick nach dem anderen: sein Vorrat an Korn geht bald aus, sein Brot nährt nicht, sein Vieh, ihn selbst und seine Kinder reitet der Alb, und er muss das alles des Drachen wegen ertragen. (Gegenmittel ist das fünfzackige Kreuz.) Manchmal verirrt sich ein solcher in einer ihm gut bekannten Gegend und geht zehnmal um sein Haus herum, ehe er es findet.

Wenn man einen Drachen erblickt, wann er beladen fliegt, kann man ihn verderben, indem man ihm den nackten Hintern zeigt oder indem man das Vaterunser rückwärts aufsagt. Das Korn, das der Drache dann beim Platzen verliert, frisst kein Vieh.

Die Seelen von Menschen, die eines unnatürlichen Todes gestorben sind, müssen dem Drachen dienen und vergrabenes Geld hüten bis zu dem Tage, an dem der Mensch nach Gottes Ratschluss seines natürlichen Todes gestorben wäre.

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