Das Anschaffen des Drachen und seine Tätigkeit (Wirksamkeit)

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Als ich vor etwa fünfunddreißig Jahren die damals berühmte Gemeindeschule in Rūjiena besuchte, erzählten mir alte Leute, dass früher in Rūjiena viele Bauern Drachen besessen hätten, die ihnen Geld und Gut herbeigeschafft hatten. Sie hatten die Drachen in Riga gekauft, aber jetzt könne man sie dort nicht mehr bekommen. Nur der Bauer des Juratieši- Hofes habe noch einen Drachen, den sein Großvater seinerzeit aus Riga gebracht habe. Er habe ihn sorgfältig verwahrt, und der Drache habe ihm Geld und Gut herbeigeschaft. Sterbend habe er den Drachen seinem Sohn hinterlassen, der ihn seinerseits in der Sterbenstunde seinem Sohn weitergegeben habe. Der Sohn verwahre ihn sorgfältig in einer Truha in seiner Klete (Vorratshaus). Aber der Drache könne seines Alters wegen nur noch selten ausfliegen, um, seinem Herrn Geld herbeizuschaffen, aber das sei auch nicht mehr nötig, da der Bauer von seinem Vater genug geerbt habe. Als der Alte Bauer seinerzeit nach Riga gefahren war, hatte er unterwegs erfahren, dass man in Riga Drachen kaufen könne, die einem Geld und anderes Gut herbeischaffen. Da beschloss er, auch für sich einen solchen Drachen zu kaufen und suchte in Riga nach einem Drachenverkäufer, bis er ihn schließlich auch fand. Der Verkäufer reichte ihm den Drachen, der in ein dickes blaues Papier eingewickelt war, und ermahnte ihn, es unterwegs nicht auszuwickeln, sondern nach Hause zu bringen und dann, im Papier eingewickelt, in sein Vorratshaus zu bringen und dort in einen Kornverschlag zu legen. Dann werde der Drache ihm Geld und andere Schätze herbeischaffen. Zu Hause angekommen, war der Bauer jedoch neugierig zu sehen, wie der Drache eigentlich aussah. Deshalb, wickelte er das Papier auf und fand nichts anderes darin als eine alte Pferdefessel. Da wurde er sehr böse, dass der Rigaer ihn betrogen und ihm für seinen guten Silberrubel ein altes Strickende gegeben hatte. Er warf die Fessel jedoch nicht weg, sondern hängte sie auf die Raufe im Pferdestall. Als er am nächsten Morgen den Stall betrat, um die Pferde zu versorgen, bemerkte er, dass die Pferdekrippen mit dem besten Hafer gefüllt waren. Er wunderte sich und konnte nicht verstehen, auf welche Weise so viel Hafer in die Pferdekrippen gelangt war. Er ging ins Haus zurück und schalt die Knechte aus, dass sie den Pferden soviel Hafer auf einmal gegeben hätten. Aber die Knechte beteuerten, dass sie überhaupt nichts davon wüssten. Am nächsten Morgen fand er die Pferdekrippen wieder mit Hafer gefüllt. Als er nach der Raufe hinblickte, auf die er die Fessel gehängt hatte, sah er dort anstelle der Fessel einen kleinen schwarzgekleideten Jungen sitzen, der ihn anlachte.

"Wer bist du?," Fragte er.

"Ich bin die Pferdefessel, die du aus Riga gebracht hast," antwortete der Junge.

Jetzt begriff und verstand der Bauer, dass das Strickende wahrhaftig ein Drache war. Er hob den Jungen von der Raufe herunter und brachte ihn in das Vorratshaus, wo er ihn in einen Kornverschlag setzte. Dort verwandelte sich der Junge wieder in eine Pferdefessel.

Seit der Zeit war das Vorratshaus des Bauern immer mit Korn gefüllt. Er konnte so viel davon verkaufen wie er nur wollte, der Drache schaffte immer neues Korn herbei.

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