Das Anschaffen des Drachen und seine Tätigkeit (Wirksamkeit)

From Pasakas un teikas
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Einmal fuhr ein Bauer aus Raibenieki nach Riga, um sich einen Drachen zu kaufen. In Riga angekommen, begegnete er auf der Straße einem Herrn, der ihm einen Drachen besorgen wollte. Er brachte den Bauer in sein Haus, verkaufte ihm den Drachen, der in einem Kästchen war, und ermahnte ihn, nicht in das Kästchen zu schauen. Aber auf dem halben Wege wurde der Bauer doch gar zu neugierig und wollte wissen, was der Schwarze Herr ihm geben hatte. Er öffnete das Kästchen und fand Pferdemist darin. Als er sah, dass der schwarze Herr ihn betrogen hatte, warf er das Kästchen wütend auf die Erde. Als er seinen Hof schon fast erreicht hatte, blickte er zurück, und sah, dass ihm ein Knäuel rollend nachfolgte. Je schneller er fuhr, desto schneller rollte das Knäuel. Zu Hause angekommen betrat er die Stube, aber auch das Knäuel rollte ihm nach. Kurz gesagt, das Knäuel folgte dem Bauer, wohin er sich auch wenden mochte.

Er versuchte, es auf verschiedene Art loszuwerden, aber es gelang ihm nicht. Schließlich versuchte er es in der Asche zu vergraben, und sobald er das getan hatte, blieb das Knäuel dort ruhig liegen. Es verging etwa eine Woche. Während der Zeit war die Asche verschwunden, und das Bündel begann von neuem, dem Bauer nachzurollen. Der Bauer suchte noch Asche zusammen und deckte damit das Knäuel zu. Selbst aber fuhr er eilig zum Pfarrer. Der Pfarrer kam, segnete und weihte das Haus und alle seine Winkel. Danach war das Knäuel verschwunden.

Ein anderes Mahl fuhr ein anderer Bauer aus derselben Gemeinde nach Riga, um einen Drachen zu kaufen. In Riga begegnete er einem Herrn, der ihm ein kleines Hähnchen als Drachen verkaufte. Als der Bauer nach Hause fuhr, entfloh das Hähnchen und flog durch die Luft davon. Der Bauer kam heim, schirrte das Pferd ab und brachte es in den Stall. Da erblickte er dasselbe Hähnchen, dass auf der Pferdetraufe saß und rief: "Was soll ich herbeischaffen, was soll ich herbeischaffen?"

Der Bauer dachte — was kann denn so ein kleiner Kerl schon herbeischaffen — und antwortete zum Scherz: "Schaffe alte Stricke herbei!" Nach einer Weile kam das Hähnchen zurückgeflogen und rief wieder: "Wo soll ich sie lassen? Wo soll ich sie lassen?" Da lachte der Bauer wieder, denn er sah nichts, und sagte: "Möchte Gott meinem Drachen so viel Kraft geben, dass er meine Haustür mit alten Stricken versperren kann!" Kaum hatte der Bauer die Worte ausgesprochen, da lagen auch schon vor allen Türen solche Berge von alten Stricken, dass die Ausgänge versperrt waren. Von da ab ließ der Bauer das Hähnchen Getreide und andere gute Sachen herbeischleppen. Er wurde in kurzer Zeit reich.

Auch ein Bauer aus Dižgramzda fuhr nach Riga, um einen Drachen zu kaufen. Dort wurde ihm ein schwarzer Kater als Drache verkauft. Der Verkäufer ermahnte ihn noch, niemanden von einem Gericht, das zu Hause gekocht wurde, kosten zu lassen, ehe der schwarze Kater seinen Anteil bekommen hatte. Der Bauer brachte den schwarzen Kater nach Hause und hielt sich an die Anweisungen des Verkäufers: Der schwarze Kater bekam als erster von jedem Gericht. In kurzer Zeit wurde er reich. Jede Nacht verwandelte sich der schwarze Kater in einen Drachen und schaffte für seinen Bauern Geld und Korn herbei, das er anderen Bauern gestohlen hatte.

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