Das Anschaffen des Drachen und seine Tätigkeit (Wirksamkeit)

From Pasakas un teikas
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Drei Bauern lebten in naher Nachbarschaft: Zwei waren reich, der dritte war arm. Einmal fragte der Arme die Reichen: "Warum, habt ihr alles im Überfluss und warum habe ich nichts? Was ich auch beginnen mag — nichts gelingt mir. Könnt ihr mir nicht helfen?" Die reichen Bauern antworteten: "Wir werden dir helfen! Fahre nur am Jurģis-Tag mit uns mit, dann wird dir alles gut von der Hand gehen!" Da begab sich der Arme am Jurģis-Tag zu den Reichen. Alle drei fuhren von Kurland nach Livland. Sie lebten in der Nähe der Daugava (Düna), gerade an der Grenze beider Provinzen. Sie fuhren und fuhren. Schließlich erreichten sie einen großen Gutshof. Auf dem Gutshof wurden sie freundlich aufgenommen, man bat sie nur, ein wenig zu warten, bis der Herr selbst nach Hause kommen werde. Sie warteten. Aber da bemerkte der Arme, dass in dem Zimmer, in dem sie saßen, das Feuer in allen Öfen ohne Holz brannte. Als der Herr nach Hause kam, begrüßte er die beiden Reichen und fragte dann sogleich: "Was ist das, für ein fremder Geruch hier?" Da sagten die beiden Reichen: "Wir haben unsern Nachbarn mitgebracht, er hat nämlich kein Glück mit seiner Wirtschaft." "Gut, gut, dann muss man ihm helfen! Aber ihr werdet von der Fahrt gewiss ermüdet sein, ich lasse Milch bringen!" Es wurden drei Eimer Milch gebracht. Aber der Arme sah: es war Blut in den Eimern. Die Reichen begannen zu trinken und ermunterten auch den Armen dazu, aber er bedankte sich. Danach reichte der fremde Herr jedem von ihnen einen Verding, den sie in den Ofen werfen sollten. Die Verdinge der Reichen blieben im Ofen, aber der Verding des Armen prallte wieder zurück und schlug gegen seine Brust. Der arme spie aus und sagte: "Lieber mit Gott arm, als mit dem Teufel reich!" Kaum hatte der Arme diese Worte ausgesprochen, da ergriff auch der Herr eine Handvoll Dreck, schleuderte ihn gegen den Armen und verjagte ihn von seinem Gutshof. Als der Arme sich wieder umsah und wissen wollte, wo er sich befand, bemerkte er, dass man ihn bis zum Lubāns-See gejagt hatte. Er machte sich auf den Heimweg und brauchte eine ganze Woche, bis er zu Hause ankam. Zu Hause wurde ihm erzählt, dass am Jurģis-Tag, gleich, nachdem er weggefahren sei, jemand auf seinem Acker mit sechs Rappen gepflügt und geeggt habe; aber am nächsten Tag waren der Pflüger und die Pferde verschwunden. So war sein Acker unbearbeitet geblieben. Noch in demselben Jahr musste der Arme seinen Hof verlassen, seine reichen Nachbarn dagegen führten ein prächtiges Leben.

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