Das Anschaffen des Drachen und seine Tätigkeit (Wirksamkeit)

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search

In Rundāle lebten einmal drei Bauern, die recht arm waren. Eines Tages kehrte bei einem von ihnen ein Wanderer ein, der um ein Stück Brot bat. Als nun der Bauer ihm sagte, dass sie selbst kaum Brot hätten, empfahl der Wanderer ihm, einen Drachen zu erwerben, dann werde er genug Brot für sich selbst und auch noch für andere haben. Dann erzählte er noch, wo man sich einen Drachen kaufen könne. Nicht weit von Jelgava, mitten im Walde, befinde sich ein altes Forstgut. Das Gutshaus sei schon fast zu einer Ruine verfallen, in ihm wohne aber noch ein alter Mann mit langem grauem Bart und grauen Haaren. Bei ihm könne man für einen Taler einen Drachen kaufen.

Eines Tages machten sich alle drei Bauern auf den Weg und fanden ohne große Schwierigkeiten das alte Forstgut, das, der Wanderer ihnen beschrieben hatte. Dort fanden sie auch den Alten, der sie sogleich fragte, warum sie gekommen seien. Die Bauern äußerten ihre Wünsche. Da führte der alte sie in eine große dunkle Kammer, in der, Feuer im Ofen brannte. Der Alte zog aus der Hosentasche einen Taler und warf ihn in die Flammen.

Der Taler hüpfte und sprang in den Flammen herum, bis er zum Schluss wieder in die Tasche des Alten zurückhüpfte.

"Seht, Freunde," sprach schließlich der Alte, "nach eurem Tode werden eure Seelen in das Höllenfeuer kommen, wo sie ebenso hüpfen und springen werden, wie der Taler in dem Ofenfeuer. Wenn euch das nicht abschreckt, so könnt ihr gern für einen Taler einen Drachen bekommen: Einen Geld-Drachen, einen Korn-Drachen oder einen Vieh-Drachen!"

Zwei der drei Bauern waren damit einverstanden und gaben dem Altem je einen Taler. Der dritte dagegen sagte: "Lieber ziehe ich mit einem Bettelsack los und bettele um mein Brot, als das meine Seele in die Hölle kommen sollte!"

Es war schon Abend. Da sagte der freundliche Drachenverkäufer, sie sollten ruhig bei ihm übernachten und führte sie in eine Kammer, in der, drei Betten standen. Nachdem sie zu Abend gegessen hatten, begaben sich alle drei Bauern zur Ruhe. Die zwei (die, den Drachen kaufen wollten) lagen kaum im Bett, da waren sie auch schon eingeschlafen und begannen zu schnarchen, der dritte dagegen konnte kein Auge schließen. Gegen Mitternacht öffnete sich leise die Tür, und drei pechschwarz gekleidete Männer betraten die Kammer. Der Eine von ihnen hielt eine brennende Kerze, der andere hatte ein blinkendes Messer in der Hand und der dritte trug eine silberne Schüssel. Die drei Männer gingen an das erste Bett und schnitten dem Schlafenden die Brust auf. Sie nahmen sein Herz heraus und nähten die offene Wunde wieder zu. Das herausgenommene Herz zuckte noch eine Weile in der silbernen Schüssel. Dasselbe wiederholten sie bei dem zweiten Schläfer. Der dritte stand eine furchtbare Angst aus und war bereit zu fliehen, sobald sie sich seinem Bett genähert hätten. Aber es geschah nicht. Die Männer verließen genau so leise die Kammer wie sie hereingekommen waren. Am nächsten Morgen begaben sich die Bauern auf den Heimweg.

Unterwegs begannen sie zu streiten. Man sah auch, dass die Brust der zwei Bauern mit einer dicken Seidenschnur zusammengenäht worden war. Die beiden Bauern aber wurden sehr reich, währen der dritte bis an sein Lebensende ein armer Mann blieb.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox