Das Anschaffen des Drachen und seine Tätigkeit (Wirksamkeit)

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search

Zwei Bauern, die gerade nach Riga gekommen waren, sprachen darüber, dass man ja in Riga Drachen kaufen könne, die Schätze herbeischafften. Es sei nur Schade, dass man nicht wisse, wo sie verkauft würden. Während die Beiden sich noch so unterhielten, gesellte sich ein dritter zu ihnen. Das war der Diener des Teufels, der ihnen sehr freundlich erklärte, dass er bereit sei, ihnen das Haus zu zeigen, in dem man Drachen für wenig Geld erstehen könne. Gut, dann möchte er sie doch hinführen. Er tat es. Es war ein Häuschen am Stadtrand. Er führte sie hinein, schloss die Tür von innen ab und sagte, sie möchten doch warten, bis der Besitzer des Hauses selbst durch eine andere Tür hereinkommen werde. Nicht lange, da war auch der Drachenbesitzer zur Stelle. — Was sei ihr Wunsch? — So und so.

— Gut! Aber dann müssten sie in seinem Hause übernachten.

Ja, damit waren sie einverstanden.

Und sie legten sich schlafen. Gegen Mitternacht begann der Drachenbesitzer den Ofen zu Heizen und eine eiserne Stange im Feuer zu erhitzen. Als sie glühend rot geworden war, warf er einen Taler auf die Stange, der sogleich wie verrückt zu hüpfen begann. Die beiden Bauern wunderten sich, aber der Drachenbesitzer fragte sie: "Nun, seid ihr damit einverstanden, dass auch eure Seelen nach eurem Tode im Feuer auf diese Weise hüpfen müssen?"

Ein Bauer antwortete "ja", der andere "nein". Nun brachte er (der Drachenbesitzer) den einen Bauern hinaus und ließ ihn gehen, den anderen, behielt er in seinem Haus und übergab ihm zwei Drachen. Die Drachen ähnelten zwei schwarzen Katern. Der erste Drache war ein dienstbarer Geist, den nur sein Besitzer sehen konnte, für alle anderen Leute war er unsichtbar. Der andere Drache war derjenige, der die Schätze herbeischleppte. Der Herbeischlepper nannte man Lavics, den unsichtbaren Diener Stepiņš. Der Verkäufer steckte die beiden Kater in einen leeren Sack und ermahnte den Käufer, den Einen, der den Reichtum herbeischaffen sollte, in die Klete (das Vorratshaus) zu bringen, den anderen, den Diener, in die Stube — hinter dem Ofen.

Der Bauer ging zu seinen Pferden zurück, legte den Sack mit den Katern hinten in den Wagen und beeilte sich, nach Hause zu kommen. Aber unterwegs wollte er gern sehen, wie seine Kater schliefen. Er öffnete den Sack, aber er fand keinen Kater darin, sondern nur zwei schwarze Kohlestücke. Ech! Dachte er — wie können die einen in Rīga doch betrügen und beschwindeln! Er warf die Kohlen aus dem Sack und fuhr weiter. Aber, oh, Wunder, aller Wunder! Nachdem er eine kurze Strecke weitergefahren war, gesellten zwei kleine Burschen sich zu ihm und fragten ihn, warum er sie aus dem Sack geworfen hätte.

Der Bauer riss die Augen weit auf. Wer sie, denn seien? "Wir sind Stepiņš und Lavics, lass uns doch einsteigen und bring uns nach Hause."

Sobald Stepiņš und Lavics so gesprochen hatten, verwandelten sie sich wieder in Kohle. Jetzt steckte der Bauer die beiden Kohlenstücke in den Sack und trieb das Pferd an, um schnell nach Hause zu kommen und das gekaufte Glück nicht zu verlieren. Zu Hause suchte er sofort eine alte Radbüchse hervor, brachte sie in sein Vorratshaus und steckte die Kohle des Schätze Herbeischaffers in die Radbüchse. Hinter dem Ofen bereitete er ein Loch und ließ die Kohle des Dieners in das Loch fallen. Als der Bauer am nächsten Morgen das Vorratshaus betrat, erblickte er einen schwarzen Kater, der auf dem Rand des Kornverschlages hockte. Der Kater fragte sogleich den Bauer: "Was wünschest du jetzt? Was wünschest du jetzt?"

Im Augenblick verstand der Bauer die Worte des Katers nicht recht, deshalb antwortete er im Scherz: "Jetzt möchte ich Hundedreck haben!" Gut, das brauchte man dem Kater nicht zweimal zu sagen. In kurzer Zeit hatte er das Vorratshaus mit Hundedreck gefüllt. Als der Bauer eine Weile später das Vorratshaus betreten wollte, konnte er kaum noch die Tür aufmachen, so voll hatte er das Vorratshaus gestopft. Aber von da ab hatte der Bauer seine Lehre weg: Jetzt ließ er den Drachen nur noch gute Dinge herbeischaffen: Weizen, Roggen, Gerste, Geld. Auch dann, wenn er seine Fuhren nach Riga brachte, fuhr der Drache mit. Unsichtbar setzte er sich auf die Waage, so dass alles, was der Bauer verkaufen wollte, das Doppelte wog. Wollte jedoch der Bauer etwas kaufen, da setzte sich der Drache Unsichtbarerweise in die Waagschale, in der diese Gewichte lagen, sodass die Ware nur die Hälfte wog und der Bauer das Doppelte bekam.

Damals war es noch Brauch, dass die Mägde morgens und abends wenigstens einen Scheffel Korn zu Mehl vermählen mussten, und bei unserem Bauer war es nicht anders. Aber seit Lavics im Hause war, wurde die Handmühle beim Mahlen nie lehr. Die Mägde wunderten sich, aber dabei blieb es. Aber einmal zündete eine Magd ein Spanholz an und schaute in die Mühle hinein: da erblickte sie einen schwarzen Kater. Sie spie aus und begann den Kater zu verprügeln. Aber da war der Bauer gleich zur Stelle: wie komme sie nur dazu, seinen Roggen-Runģītis (eine Korn-Gottheit) zu schlagen? Nichts zu machen, die Magd musste ablassen.

Der Stepiņš, der hinter dem Ofen lebte, half mehr der Bäuerin: Er schleppte Reisig herbei, holte Wasser, nachte das Feuer an und half ihr, sobald sie es nötig hatte. Das Gesinde konnte Stepiņš nicht sehen, die Bäuerin schon. Einmal aber wurde der Knecht des Bauern krank und er hatte niemand, den er zur Fronarbeit aufs Gut schicken konnte. Da kroch er hinter den Ofen und flehte Stepiņš an: "Könntest du, Stepiņš, nicht aufs Gut gehen?"

"Warum denn nicht — gern!"

Sogleich verwandelte sich Stepiņš in einen schmucken Burschen und eilte aufs Gut. Als er ankam, spottete der Arbeitsaufseher:

"Wie willst du denn, ein solches Heimchen, mit der Gutsarbeit fertig werden?"

"Nur her mit der Arbeit!" Prahlte Stepiņš, "dein bester Arbeiter wird nicht mit mir mithalten können!"

Das wollte der Arbeitsaufseher nicht glauben. Er ließ den großen Juris rufen und forderte beide zum Ringen auf. Aber Stepiņš warf Juris wie eine Feder zu Boden und rief noch aus: "Kommt nur alle her, wenn ihr, Lust habt, ich werde euch zu Mehl zermahlen!"

"Was ist nun zu machen," der Arbeitsaufseher, "ich will ihn in die Korndarre schicken, damit er allein das Getreide von den Darrbalken holt und auf die Tenne schafft." Stepiņš begab sich in die Korndarre und zog das Getreide mit den Darrbalken auf einmal zur Tenne.

Jetzt war der Arbeitsaufseher ganz erschrocken. "Ich will den Kraftprotz aufs Feld schicken, damit er den Roggen heimschafft."

Gut, Stepiņš suchte Stricke zusammen, band einen Strick an den anderen, machte daraus eine große Schlinge, die er um die Roggenhocken warf und schleifte sie auf den Hof. Jetzt war der Arbeitsaufseher so erschrocken, dass er sagte, er könne ruhig nach Hause gehen, denn er habe schon genug gearbeitet.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox