Das Anschaffen des Drachen und seine Tätigkeit (Wirksamkeit)

From Pasakas un teikas
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Früher hielt eine Bäuerin auf dem Bērznieki-Hof einen sonderbaren schwarzen Kater, den man Štepiņš nannte. Eigentlich war er kein richtiger Kater, sondern ein unsichtbarer Geist, ja, ein Teufel. Die Bäuerin selbst konnte ihn sehen, sie ließ ihn auf ihrem Rock hinter dem Ofen schlafen. Die anderen aber — wenn sie Glück hatten, konnten sie kurz etwas erblicken, aber meist sahen sie gar nichts, sondern wussten nur, dass hinter dem Ofen ein Stepiņš lebe, der wie ein schwarzer Kater aussehe. Wenn die Anderen jedoch manchmal baten: "Štepiņš, mach dies", oder "Štepiņš, hol Wasser!" So gehorchte Štepiņš gleich, aber er zeigte sich nicht. Man konnte gut sehen, dass die Wassereimer sich vom Brunnen her nach Hause bewegten, aber den Träger selbst konnte man nicht erblicken.

Einmal brachten die Knechte dicke Eichenstämme auf den Hof. Mitten auf dem Hof aber lagen große Schneewehen, und die Pferde konnten die Fuhre nicht mehr weiterziehen. Was sollten sie nun machen. Es war schon Abend. Da erinnerten sie sich an Stepiņš:

"Lieber Štepiņš, kannst du nicht die Eichen vor die Tenne tragen?" Kaum hatten sie die Bitte ausgesprochen, da bewegten sich auch schon die Eichenstämme zur Tenne.

Štepiņš ärgern — das sollte ja niemand wagen, denn dann erging es ihm sogleich schlecht. An Freitagen, besonders am Karfreitagmorgen und am Morgen des Johannistages, pflegte die Bäuerin etwas Kehricht, Spahn und Knochen hinter den Ofen für den Štepiņš zu werfen. Dasselbe ließ sie unter den Bänken und in anderen Gebäuden liegen.

An jedem Freitagabend ging die Bäuerin in die Mahlstube, aber sie drehte die Mühle nach links. Man erzählt, dass sie nur wenig Korn in die Mühle geschüttet, aber viel Mehl vermählen habe. An den Mahlsteinen hat man immer Haare von Tierfellen gefunden, aber woher die kamen, das weiß man nicht zu sagen.

Einmal kam der Förster auf den Hof gefahren und wollte gar zu gern Štepiņš sehen. Die Leute sagten zu ihm: "Geht nur nicht hinter den Ofen! Geht nicht hinter den Ofen!" Aber der Förster hörte nicht darauf. Auf einmal begann jemand den Förster mit einer langen Peitsche zu traktieren, bis er, fluchtartig das Haus verlassen musste. Sogar dann, als er bereits seinen Wagen bestieg, flogen ihm Steinchen, Sand und Kehricht nach.

Einmal aber soll ein Lesekundiger gekommen sein, der sich mit der Bibel hinter den Ofen begeben hat. Von da ab hat Stepiņš seinen Platz hinter dem Ofen verlassen und hat sich in den Ofen der Badestube zurückgezogen. Dort hat er längere Zeit gehaust. Die Leute baten ihn noch oft: "Štepiņš, Štepiņš, beklopfe mich bei mildem Dampf mit dem Badequast!" Und Štepiņš führte es gleich aufs beste aus. Schließlich vertrieben Gebetbrüder Štepiņš auch aus dem Badstubenofen (andere erzählen, man habe ein jüdisches Gebetbuch in der Badestube versteckt). In einer Nacht bei Neuschnee holte Štepiņš den Schlitten des Bauern, setzte den Ofen der Badestube auf den Schlitten und zog in den Wald. Am anderen Morgen folgte man wohl den Schlittenspuren, aber man fand weder Štepiņš noch den Schlitten mehr.

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