Das Anschaffen des Drachen und seine Tätigkeit (Wirksamkeit)

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Ein Bauer fuhr nach Riga. Unterwegs beschloss er, einen Drachen zu kaufen. Und das tat er auch. Der Bauer begab sich an den Ort, wo man in Riga Drachen verkaufte. Da sagte der Drachenverkäufer, der Bauer solle einen Rubel in den Ofen werfen. Der Bauer warf einen Rubel in den Ofen, der im Feuer zu tanzen begann und mit Menschenstimme rief: "In dieser Welt wird es dir zwar gut gehen, aber in der anderen Welt wirst du tanzen müssen, wie ich jetzt tanzen muss."

Der Bauer kaufte sich zwei Drachen, einen Gelddrachen namens Rubis und einen, der alle Arbeit verrichten konnte und Juris hieß.

Der Bauer machte sich auf den Heimweg. Unterwegs aber packte ihn die Neugierde: er wollte gar zu gern sehen, wie seine Drachen aussahen. Er öffnete das Bündel, in dem die Drachen verpackt waren, und sah, dass sich darin nichts anderes befand als zwei Ziegelsteinbrocken. Der Bauer glaubte, der Rigaer Herr habe ihn betrogen und ihm anstelle der Drachen zwei Ziegelsteinbrocken gegeben. Er schleuderte die Ziegelsteinbrocken in den Straßengraben. Aber auf einmal begannen die Drachen zu reden und fragten den Bauer, warum er so mit ihnen umgehe und warum er sie in den Graben geworfen habe. Jetzt wurde der Bauer doch wieder froh: es waren also keine Ziegelsteine, sondern echte Drachen. Er hob sie wieder in den Wagen und fuhr weiter.

Einen — den Gelddrachen — brachte der Bauer in sein Vorratshaus, den anderen, der Juris hieß, legte er hinter den Ofen. Am anderen Morgen ging der Bauer zum Vorratshaus, denn er hatte etwas nötig. Als er aber das Vorratshaus betrat, kam ihm ein schwarzer Kater entgegen. Da dachte der Bauer, der Nachbarkater habe sich in sein Vorratshaus eingeschlichen und wollte ihn schon verprügeln. Aber als er sich anschickte, den Kater zu prügeln, sprach der Kater:

"Nun, nun, kennt er denn seinen Rubis nicht mehr?"

Jetzt verstand der Bauer gleich, was los war, und nun schlug er den Kater freilich nicht.

Rubis schaffte dem Bauern eine große Menge Geld herbei, und nun ging es ihm gut. Eines Tages bekam der Bauer die Mitteilung, dass er für das Gut Balken fahren müsse. Da dachte der Bauer bei sich: "Gut wäre es ja, wenn jemand an meiner Stelle fahren würde!" Da fiel es ihm ein, Juris zu fragen, ob er nicht bereit wäre, an seiner Stelle zu fahren, und er sagte:

"Hei, Juris, könntest du nicht an meiner Stelle Balken fahren?"

Sogleich verwandelte sich Juris in einen kleinen Burschen, kam hinter dem Ofen hervor und sagte, er sei bereit zu fahren. Als er nun auf den Gutshof kam, eilte ihm gleich der Vogt entgegen und fragte ihn, von welchem Hof er käme. Juris sagte es ihm. Jetzt fing der Vogt an zu fluchen, dass der Bauer einen solchen Knirps geschickt hatte, als wenn er keinen besseren Mann gehabt hätte. Juris gab Widerworte und sagte, er könne wohl tüchtiger zupacken als der Vogt selbst. Da wurde der Vogt ganz wild vor Wut und schlug Juris mit dem Stock auf den Rücken. Aber in demselben Augenblick sprang er selbst hoch und schrie jämmerlich auf, denn der Schlag hatte ihn selbst, nicht Juris, getroffen. Da wurde der Vogt noch zorniger. Als sie in den Wald kamen, bestimmte er für Juris den dicksten Baum, den er fällen und aufs Gut fahren sollte. Nun, Juris machte sich an die Arbeit: er fällte den Baum und hob den Stamm ganz allein auf den Lastschlitten. Als erster verließ er den Wald. Nun, das war dem Vogt gar nicht recht. Als Juris an ihm vorbeifuhr verspottete er ihn und sagte: "Fahre du nur! Man hat für dich die Badestube schon ordentlich eingeheizt!"

Als nun Juris auf den Gutshof ankam, verklagte der Vogt ihn beim Herrn: er habe einen frechen Mund gehabt. Da befahl der Herr, Juris in den Stall zu bringen und ihn dort ordentlich zu verprügeln. Der Herr selbst stand dabei und schaute zu. Man streckte Juris gleich zu Boden und begann ihn zu prügeln. Aber kaum waren die ersten Schläge gefallen, da sprang auch der Herr schon vor Schmerzen in die Luft und schrie: "Genug, genug!"

Nun, da war nichts zu machen, man ließ Juris los. Juris, erhob sich, und lachte den Herrn noch aus, dass man auf seinem Gut nicht einmal richtige Prügel bekommen könne. Darüber wurde der Herr so zornig und verärgert, dass er dem Bauer von Juris gleich einen Befehl hinschickte, sofort aufs Gut zu erscheinen. Juris kam aber als erster nach Hause und beruhigte seinen Bauer: er solle sich keine Sorgen machen, man werde ihm nichts zuleide tun können.

Sobald der Bauer auf dem Gutshof erschien, fragte der Herr ihn sogleich, woher er einen Burschen mit so frechem Mund habe und warum er ihn zur Arbeit geschickt habe. Der Bauer gab ausweichende Antworten und sagte dem Herrn die Wahrheit nicht. Da ließ der Herr den Bauer prügeln. Man schleppte den Bauer in den Stall und streckte ihn zu Boden, um ihn ordentlich. verprügeln zu können. Wieder stand der Herr selbst dabei und schaute zu. Aber sobald man den Bauer zu prügeln begann, sprang der Herr in die Luft und schrie: "Genug, genug!"

Da hörte man mit dem Prügeln auf. Der Bauer ging lachend nach Hause. Er hatte nichts von dem Prügeln gespürt, nur der Herr selbst.

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