Der Drache ist beleidigt

From Pasakas un teikas
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Es lebten einmal zwei Nachbarn. Der eine hatte einen Korndrachen, der dem anderen alles Korn aus der Tenne und aus dem Vorratshaus stahl. Der Bauer versuchte Wache zu halten, aber er konnte den Drachen nicht fassen, und das Korn verschwand wie vorher. Er fragte auch andere Leute um Rat, aber niemand verstand ihm zu helfen. Schließlich riet ihm ein alter Mann, er solle immer auf der Schwelle des Vorratshauses eine Sense liegen lassen. Auf der Schwelle zur Tenne solle er ebenfalls eine Sense legen, wenn Korn gewindet werde. Dann werde der Drache nicht an das Korn herankommen können. Der Bauer handelte nach dem Rat des Alten, und nun mehrte sich sein Weizen, den der Drache konnte an ihn nicht mehr herankommen. Nachdem er vergeblich versucht hatte, an das Korn heranzukommen, lief der Drache zu seinem eigenen Bauer und bat ihn, er möchte kommen und den blauen Wurm von der Schwelle nehmen, der ihn nicht hereinlasse. Der Bauer dachte einen Vorwand aus und stattete seinem Nachbar einen Besuch ab, wobei er ganz gelassen die Sense von der Schwelle nahm. In demselben Augenblick war der Drache in dem Vorratshaus und — aus Ärger darüber, dass man ihn so genarrt hatte — nahm er soviel Korn, wie er nur zusammenraffen konnte. Er selbst schwoll schwarz-blau an. Als er sich nun mit der schweren Last erheben wollte, entschlüpfte ihm ein Wind. Der Bauer des Drachen (er konnte alle sehen, was sein Drache tat, während der Nachbar den Drachen nicht sah) hörte es und lachte auf, worüber der Drache so zornig wurde, dass er den Weizen auf der Stelle wieder ausschüttete und davonrannte. Er steckte den Hof seines Bauern in Brand und verschwand — niemand weiß, wohin.

Ein anderer hat es anders erzählt. Nachdem die Drachen beschlossen hatten, den Hof in Brand zu stecken, besprachen sie auch, wo ein jeder sich verstecken wollte, um dem Brand zuzusehen. Der eine versteckte sich in einen alten Besen, der am Zaun lag, der andere kroch in eine Radbüchse. Der Knecht beschloss die beiden Herrchen ein wenig zu belehren. Er packte den alten Besen und schleuderte ihn zusammen mit dem darin hockenden Drachen in die Flammen. Das Feuer verschlang es mit Brausen. Der Knecht wollte auch den anderen Drachen ins Feuer werfen, aber als er die Radbüchse ergriff, schlüpfte der Drache zum anderen Ende (der Radbüchse) hinaus und floh. Auf diese Weise konnte er der verdienten Strafe entrinnen.

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