Der Drache ist beleidigt

From Pasakas un teikas
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Ein Bauer brachte im Herbst Flachs nach Riga und verkaufte ihn. Im Gespräch mit dem Käufer beklagte er sich über die schlechten Zeiten: wenig Flachs, wenig Brot, er sei schon ganz heruntergekommen. Da sagte der Käufer, er solle sich doch einen Drachen kaufen, dann werde es ihm ja an nichts mangeln. Da dachte der Bauer: wenn ich nur einen solchen Drachen bekäme! Ob der Herr einen Drachen zu verkaufen habe? Er sei bereit zu kaufen. Da reichte der Herr ihm eine Pferdefessel. Dann ermahnte er den Bauern, die Pferdefessel beim Betreten seines Hauses aus der Hand fallen zu lassen und seine Frau mit folgenden Worten zu begrüßen: "Der Teufel in deinem Herzen, der Teufel in meinem Herzen!" Unterwegs dachte der Bauer lange darüber nach, ob er denn die Seele seiner Frau und auch seine eigene Seele um des Geldes willen dem Teufel vermachen sollte. Als er nun das Haus betrat und die Pferdefessel fallen ließ, sagte er nichts vom Teufel im Herzen, sondern sprach: "Der Teufel in deinem Hintern, der Teufel in meinem Hintern!" Sobald er die Worte ausgesprochen hatte, schlängelte sich die Pferdefessel wie eine Schlange zum Fenster hinaus. Als der Bauer im nächsten Herbst wieder nach Riga kam, fragte ihn der Herr, warum er seinen Drachen zurückgeschickt habe. Der Bauer antwortete, er habe nicht sein eigenes Herz und das Herz seiner Frau dem Teufel überlassen wollen.

Das Mütterchen, das diese Sage erzählt hat, fügte hinzu: "Der Drache war ja der Böse selbst, der manchen stahl, um es anderen zu bringen."

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