Der Drache ist beleidigt

From Pasakas un teikas
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Ein Bauer wollte einen Drachen kaufen. Er fuhr nach Riga, fragte, wo man Drachen bekommen könne und betrat dann ein großes Haus. Er sah sich um: alle reichen Leute aus seiner Gegend saßen an einer Festtafel: Pferdeschädel dienten ihnen als Schüsseln, Pferdeknochen als Löffel, Hufe als Trinkbecher. Der Teufel selbst bediente sie. Flink legte er ihnen Speisen und Getränke vor. Der Bauer schaute eine Weile zu: es lief ihm kalt über den Rücken, und am liebsten wäre er geflohen. Schließlich überlegte er es sich anders: "Was soll ich weglaufen? Es scheint ihnen hier ja gut zu gehen." Er blieb da und begegnete bald dem Drachenverkäufer. Der Verkäufer übergab ihm ein kleines Kästchen und ermahnte ihn: "Wenn du mit dem Kästchen heimkommst, so sprich zu deiner Frau: "Teufel in deinem Herzen!" Aber der Bauer liebte seine Frau sehr, deshalb verdrehte er die Worte und sagte: "Frau, der Teufel ist in deinem Hintern!" Sobald er das ausgesprochen hatte, fiel ihm das Kästchen aus den Händen und zerschellte — nun hatte er keinen Drachen mehr.

Als er im nächsten Jahr wieder nach Riga kam, verlangte er von dem Drachenverkäufer sein Geld zurück. Aber der Drachenverkäufer verspottete ihn nur und sagte: "Wie soll denn der Drache bei dir leben, wenn du nicht die richtigen Worte sprichst, sondern ganz unverschämt redest."

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