Der Drache wird angehalten

From Pasakas un teikas
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Comments: Diese Sage ist, wie man sieht, ausgeschmückt, deshalb ist sie hier etwas verkürzt worden. P. Š.


Einmal hatte ein Bauer in alten Zeiten seinen Herrn aus Lebensgefahr errettet. Der Herr war ein leidenschaftlicher Jäger und streifte mit seiner Büchse durch seine großen Wälder, in denen man nicht nur verschiedene Vögel und kleiner Wild sondern auch Wölfe und Bären jagen konnte. Vor Bären hatte der Herr große Angst, weil ein Wahrsager ihm gesagt hatte, ein Bär werde ihn töten. Nicht selten hatte er im Walde einen Bären bemerkt, aber bis jetzt war es ihm immer geglückt, dem Bären zu entkommen. Aber einmal geschah es nun, dass er durch einen Dickicht drang. Er musste über einen hingefallenen morschen Baumstamm steigen und trat dabei gerade auf einen Bären, der sich neben den Stamm schlafen gelegt hatte. Der Herr erschrak sehr und wagte sich nicht mehr zu rühren, sondern stand wie versteinert da. Auch der Bär, der in seinem Schlaf gestört worden war, erschrak und sprang auf die Beine. Als er den Mann erblickte, der seinen Schlaf gestört hatte, packte er ihn mit seinen Pranken und drückte ihn so fest, dass dem Herrn die Luft wegblieb. Er hätte bestimmt seine Knochen zermalmt, wenn nicht gleich ein Retter herbeigeeilt wäre. Einer der Leibeigenen des Herrn, der in der Nähe des morschen Stammes Lindenbast gerissen und der beim Anblick seines Herrn sich schnell versteckt hatte, zögerte jedoch nicht, ihm sogleich zu Hilfe zu eilen, als er sah, in welcher Gefahr sein Herr sich befand. Er stieß sein langes scharfes Messer tief in die Brust des Tieres, so dass der Bär laut aufbrüllte und den tödlich erschrockenen Herrn losließ, um sich auf seinen neuen Feind zu werfen. Der Bauer riss schnell das Messer aus der Brust des Tieres und stach von neuem zu. Der andere Stich war tödlich, der Bär strauchelte und brach zusammen. Jetzt wollte der Bauer sehen, wie es seinem Herrn ergangen war. Der Herr lag besinnungslos im Moos. Nach einer Weile kam er zu sich. Gerührt dankte er seinem Lebensretter und versprach ihm reichliche Belohnung.

Der Herr entließ seinen Lebensretter aus der Leibeigenschaft und setzte ihn als freien Mann auf einen Bauernhof. Der freigewordene Bauer war ein arbeitsamer und verständiger Mann. Aber der Sohn des Herrn ging nicht in die Fußstapfen seines Vaters. Er war in Deutschland erzogen worden und hatte gelernt verschwenderisch zu leben. Nachdem er das Gut seines Vaters geerbt hatte, führte er fort, verschwenderisch zu leben, verspielte sein Geld und hatte sehr bald das vom Vater zurückgelassene Kapital verbraucht und sein Gut mit hohen Schulden belastet. Zu seinen Leibeigenen war er hart und herzlos und holte aus ihnen das Letzte heraus. Den Sohn des Lebensretters seines Vaters beneidete und hasste er, denn er sah, dass dessen Gut sich mehrte, während ihm selbst die Armut drohte. Er hätte gar zu gern dem Bauern das Eigentum weggenommen, das sein Vater seiner Ansicht nach sowieso unberechtigterweise ihm, seinem Sohn, entzogen und verschenkt hatte, aber der Hof war auf den Namen des Bauern überschrieben.

"Wenn doch der Teufel mir einen Drachen schicken möchte, der den Reichtum dieses Bauern in meine Vorratshäuser tragen würde, denn von Rechts wegen gehört mir das alles ja doch," sprach der Herr eines Tages bei sich.

Plötzlich Kroch ein schwarzer Kater unter dem Tisch hervor und schaute den Herrn mit glühenden Augen an.

"Wie kommst du den hierher?" rief der Herr erschrocken aus.

Da begann der Kater zu sprechen und sagte: "Du wolltest einer Drachen bekommen, und ich bin der Drache!"

"Dann verschaffe mir viel Geld, denn ich möchte ein großes Festgelage geben."

"Da muss der Herr mir aber auch eine Wohnung zuweisen und mich ordentlich füttern, wenn er will, dass ich ihm ordentlich diene."

Der Herr wies dem Drachen ein leeres Zimmer als Wohnung zu und gab ihm schon am ersten Abend ordentlich zu essen.

Am nächsten Morgen fand der Herr auf seinem Schreibtisch einen Sack mit Goldgeld, und der Drache fragte, was der Herr ihm jetzt zu tun befehle.

"Jetzt sorge dafür, dass alles Korn aus der Korndarre meines freien Bauern in meine Speicher gelangt", befahl der Herr.

Da der Herr nun wieder viel Geld hatte, begann er von neuem verschwenderisch zu leben, Festgelage zu veranstalten und Karten zu spielen, so dass er ganz vergaß, seinen Drachen ordentlich zu füttern.

Der freie Bauer hatte prächtigen Roggen in seine Korndarre gebracht, aber beim Dreschen fiel kein Korn aus den Ähren. Da verstand er, dass sein Korn auf ungute Art gestohlen wurde. Er begab sich zu einem Wahrsager und ließ ihn erzählen, welcher Zauberer den Roggen aus seiner Korndarre stehle. Der Wahrsager sagte, der Dieb sei ein Drache und das Korn werde in die Speicher des Gutshofes gebracht. Man müsse den Drachen abfangen und anbinden. Wenn der Bauer es wolle, könne er es machen. Gewiss, der Bauer wollte es.

Der Wahrsager empfahl dem Bauern, in der Nacht bis Mitternacht sich irgendwo auf dem Hof zu verstecken und das Dach der Korndarre im Auge zu behalten. Dann werde er den Drachen kommen sehen. Der Wahrsager selbst blieb über Nacht in der Korndarre.

Etwa eine Stunde vor Mitternacht bemerkte der Bauer, dass eine feurige Schlange in der Luft flog. Sie flog auf das Dach seiner Korndarre und kroch durch den Rauchfang hinein.

Sobald der Drache auf die Tenne geflogen war und nun die Korndarre betrat, machte der Wahrsager die Korndarren Tür schnell zu und zog mit der Kohle ein Kreuz darauf. Dann begann er den Drachen mit einem Ebereschenstock zu prügeln, der vergeblich durch die Tür entkommen wollte, weil die Kreuze ihn daran hinderten. Da er nicht entfliehen konnte, begann der Drache zu flehen, der Wahrsager möchte ihn nicht erschlagen. Er wolle alles tun, was man nur von ihm verlange. Der Wahrsager spaltete mit seinem Messer das Ende des Ebereschenstockes und klemmte darin den Schwanz des Drachen fest. Dann rief er den Bauern herein und sprach zu ihm:

"Jetzt hast du die Macht über den Drachen und kannst seine Dienste verlangen!"

"Der Drache ist der Diener des Teufels, und des Teufels Schätze will ich nicht haben. Aber eines möchte ich haben: der Herr muss meinen Roggen zurückgeben und er muss sich schuldig bekennen."

"Wenn ihr versprecht mich aus dem Stock zu befreien, dann will ich alles tun, denn mein Herr hat schon vergessen, mich ordentlich zu füttern."

Der Bauer versprach dem Drachen, ihn loszulassen, und nun belehrte der Drache den Bauern, was er zu tun habe: "Geh zu dem Herrn und sagt ihm, dass man seinen Drachen gefangen genommen hat und dass er nicht eher losgelassen wird, bis er vor dem Gericht bekannt haben wird, euren Roggen gestohlen zu haben. Sollte er nicht dafür sorgen, dass sein Drache befreit werde, so werde auch er nicht von den Schmerzen befreit, die seine Beine umklammern. Der Wahrsager begab sich zu dem Herrn, aber der Herr war nicht bereit, die Schande öffentlich auf sich zu nehmen und zu bekennen, dass er der Korn Dieb sei, der seinen Bauern bestohlen hat. Aber als die Schmerzen, die seine Beine wie umklammert hielten, immer schlimmer wurden, so dass der Herr es nicht mehr ertragen konnte, schickte er seinen Diener mit einem Schreiben zum Gericht und bekannte, dass er den Roggen des Bauern gestohlen habe. Er bat das Gericht, ihn nicht zu bestrafen, da er das Korn zurückgeben wolle. Dann befahl er den Roggen, der sich in seinem Vorratshaus befand, dem Bauer zurückzubringen.

Das Gericht ließ den Bauer kommen. Dort wurde ihm gesagt, dass sein Gutsherr sich selbst als den Korn Dieb bezichtigt habe und darum bitte, dass ihm die Strafe für sein Vergehen erlassen werde. Ob der Bauer einverstanden sei, dass man ihm die Strafe erlasse, da er das Korn zurückerstatten wolle?

"Den Roggen habe ich schon zurückbekommen und bin einverstanden, dass dem Herrn die Strafe erlassen wird, wenn er mich in Zukunft in Ruhe lässt", antwortete der Bauer.

Als der Bauer nach Hause kam, befreite er den Drachen aus dem Ebereschenstock, und nun hörten auch die Beine des Herrn zu schmerzen auf.

Wegen seiner Schulden war der Herr gezwungen, das von seinem Vater geerbte Gut zu verkaufen; er kam ganz herunter und starb schließlich in großer Armut. Der freie Bauer dagegen hatte ein glückliches Leben.

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