Der erschlagene Drache

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Ein Müller hatte einen Drachen. Der Drache schaffte immer so viel Korn herbei, dass die Gesellen mit dem Mahlen gar nicht fertig werden konnten. Am schlimmsten war es, wenn man für den Müller selbst mahlen sollte. Das Korn der Leute, die ihr Getreide zum Mahlen zur Mühle brachten, wurde schnell vermählen aber als des Müllers eigenes Korn gemahlen werden musste, da war und blieb der Korb immer voll, obwohl man kein Korn hinzu geschüttet hatte. Man musste das eigene Korn nachts vermählen, und die Müllerburschen kamen gar nicht zum Schlafen. Da durften sie selbst gar nicht an den Korb heran, das besorgte der Müller allein. Die Burschen, die diese schweren Nächte kaum ertragen konnten, wollten der Sache jedoch auf den Grund gehen: wie kam das nur, dass sie auf einmal so viel Korn vermählen mussten? Sie merkten bald, dass der Müller einen Drachen hatte, der immer neues Korn dazu schüttete. Als der Müller eines Tages nicht zu Hause war, begannen sie sein Korn auf eigene Faust zu mahlen, um zu erfahren, auf welche Weise der Drache das Korn herbeischleppte und um ihn dann zu töten. Sie schütteten ein wenig Korn in den Korb und begannen zu mahlen. Da sahen sie, dass der Drache durch eine Öffnung im Dach hereingeflogen kam, den Korb vollschüttete und auf demselben Wege wieder davonflog. Noch zweimal ist der Drache so hin- und hergeflogen, aber beim dritten Mal ergriff einer der Müllerburschen eine angekohlte Mahlstange und erschlug ihn: nur Staub und Asche blieben übrig. Seit der Zeit mussten die Müllerburschen nicht mehr Tag und Nacht für den Müller mahlen. Der Müller selbst erwähnte mit keinem Wort, dass sein Drache verschwunden sei. Aber er schlich betrübt und sorgenvoll umher.

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