Der erschlagene Drache

From Pasakas un teikas
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Ein Bauer hatte einen Drachen. Er hielt diese Schlange (den Drachen) in der Mahlkammer auf dem Ofen gerade über der Mühle. Man konnte mahlen solange man wollte, das Auge des Mühlsteines war immer voll: das Mehl rieselte aus der Mühle, aber das Korn war nicht weniger geworden. Das kam daher, dass der Drache von oben immer neues Korn in das Auge schüttete.

Eines Tages schickte der Bauer seine Magd in die Mahlkammer, indem er sagte: "Zermahle einen Scheffel Roggen!"

Die Magd holte einen Scheffel Roggen und begab sich damit in die Mahlkammer. Sie mahlt und mahlt — die Mühle füllt sich mit Mehl, aber der Scheffel ist noch immer voll. Da wird sie wütend: "Zum Teufel, was soll denn das! — Ich arbeite und arbeite und das Mehl quillt aus der Mühle, das Korn wird aber nicht weniger!"

Schließlich sieht sie sich in der Mahlkammer um: "Wer weiß, ob nicht jemand da ist, der mich mit Absicht ärgert." Da erblick sie auf einem Wandbord über der Mühle einen kleinen Vogel.

"Ach, du Miststück, du wirst mir wahrscheinlich der Schuldige sein!" Und sie ergriff sogleich die Mahlstange und erschlug den Vogel. Als sie jetzt wieder zu mahlen begann, wurde sie bald damit fertig. Sie ging in die Stube zurück, der Bauer fragte sie: "Was, bist du mit dem Mahlen schon fertig?"

"Fertig!"

Da erschrak der Bauer gewaltig und fragte sie: "Du hast doch nicht etwa ein kleines Vögelchen in der Mahlkammer erschlagen?"

"Gewiss habe ich es erschlagen!"

Der Bauer trauerte heimlich sehr um seinen Drachen, aber es war nichts mehr zu ändern: tot ist tot.

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