Der erschlagene Drache

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search

Einmal, als es noch keine Mühlen gab, musste das Gesinde der Bauern nächtelang mahlen. Jeder musste in seiner Ecke einen Sack Korn zu Mehl vermahlen: der Großknecht, der Kleinknecht und die Magd. Zu der Zeit hatte ein Bauer einen Knecht, der sehr fleißig mahlen konnte. Die anderen Leute waren noch nicht recht eingeschlafen, da hatte er sein Korn schon gemahlen. Als die Bäuerin sah, wie schnell der Knecht mahlen konnte, dachte sie bei sich: "Warte nur, ich werde dir einen Korn-Drachen auf den Hals schicken!"

Am nächsten Abend mahlte der Knecht so fleißig wie immer, konnte jedoch mit dem Mahlen nicht fertig werden. Da merkte er gleich: "Hier muss doch wohl ein Schwindel vorliegen, soviel Mehl — und das Korn wird nicht weniger! Da will ich doch Licht anzünden!" Er zündete einen Span an und bemerkte am Mühlenrand einen roten Streifen: ein rotes Huhn hockte auf der Mühle. Augenblicklich riss er die Mahlstange heraus und versetzte dem Huhn einen solchen Schlag auf den Kopf, dass es auf der Stelle tot war. Kaum hatte er das Huhn totgeschlagen, da kam auch schon die Bäuerin keuchend und schnaufend in die Mahlkammer gerannt und rief aus: "Backt nun die großen Brote, reitet nun die großen Füchse!" Der Knecht, vor der tobenden Bäuerin erschrocken, verstarb kurz darauf. Da sagte die Bäuerin: "Meinen Drachen hat er zwar erschlagen, aber der Geist des Drachen hat ihn selbst umgebracht!" Im Vorratshaus, wo der Drache erschlagen worden war, konnte seit der Zeit niemand mehr mahlen: Tag und Nacht tobte dort jemand so, dass die Wände erzitterten.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox