Der erschlagene Drache

From Pasakas un teikas
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Eine Bäuerin hatte einen Drachen, den sie mit Essen versorgte. Dafür hat es ihr dann auch nie an Mehl gefehlt. Sie pflegte ihren Mägden einen Scheffel Roggen zu geben und sie die ganze Nacht mahlen zu lassen. Wenn die Mägde antworteten, dass man einen Scheffel Roggen nicht die ganze Nacht zu mahlen brauche, herrschte sie sie an, sie sollten den Mund halten und tun, was sie ihnen befohlen habe. Und wahrhaftig: die Mägde mahlten fleißig die ganze Nacht, aber der Roggen im Scheffel war nicht weniger geworden. Die Bäuerin wurde immer reicher. Aber einmal war auch der Reichtum des Drachen zu Ende. Es geschah so: einmal hatte die Bäuerin zwei vernünftige Mägde, die von Anfang an den Verdacht schöpften, dass die Bäuerin wohl einen Drachen haben müsse. Die Bäuerin gab auch ihnen einen Scheffel Korn und ermahnte sie, die ganze Nacht zu mahlen. Die Mägde arbeiteten so fleißig, dass ihnen der Schweiß über den Rücken rann, und mahlten bis Mitternacht, aber das Korn war nicht weniger geworden. Da suchten sie nach dem Grund und entdeckten einen blauen Täuberich, der auf der Mahlstange hockte. Die Mägde ergriffen einen Besenstiel und erschlugen den Täuberich. Dann gingen sie wieder ans Mahlen, und kurz darauf war alles Korn gemahlen. Die Bäuerin eilte in die Mahlkammer, um nachzusehen, was geschehen war und murmelte unterwegs bei sich: "Nun werden die Mägde wohl meinen Korndrachen erschlagen haben!" Sie lief an die Mühle und — weiß der Teufel — wo sie den Täuberich versteckte. Aber mit dem Reichtum war es nun vorbei.

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